WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schauen wir den Vorständen auf die Finger - von Andre Exner

Eine Lösung für das Boni-Problem verdient den Nobelpreis

Wien (OTS) - Die Finanzbranche steht in den USA vor einer schönen Bescherung: Rund 144 Milliarden $ verdient die Wall Street heuer -allein die Bonuszahlungen werden Schätzungen zufolge an die 20 Milliarden $ betragen. Das bedeutet gegenüber dem Rekordjahr 2009 abermals einen Zuwachs. In Österreich sind die Managergehälter sowohl bei den Banken als auch in anderen Branchen seit Krisenbeginn gesunken. Und trotzdem bleibt das Thema brisant. So brisant, dass es auch Österreichs Hoffnung auf den Wirtschaftsnobelpreis, Ernst Fehr, beschäftigt. Denn anders als in den USA ist in Europa jedem klar: Die falschen Vergütungssysteme waren mit ein Grund, warum die Wirtschaft aus dem Ruder lief. Nachhaltigkeit kann es erst geben, wenn statt dem kurzfristigen Handeln der langfristige Erfolg belohnt wird.

Unklar ist jedoch, in welcher Art und Weise die Belohnung der Nachhaltigkeit bei der Unternehmensführung erfolgen darf: Die einfachste Lösung, die Vorstände von börsenotierten Unternehmen mittels Aktienoptions-Programmen am Erfolg zu beteiligen, scheint ja nicht ganz frei von Stolpersteinen zu sein - siehe OMV.
Auch eine Sonderbesteuerung der Managergehälter kann wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Hier ist das Problem dasselbe wie bei der Börsenumsatzsteuer: Wenn ein Land das allein durchsetzt, erzeugt man mehr Probleme, als man löst. Bei der Börsenumsatzsteuer wandert einfach das Kapital ins Ausland ab, bei der Extrem-Steuer auf Managergehälter macht das Know-how einen Bogen um Österreich.
Das von einigen Experten geforderte Bonus-Malus-System, bei dem die Vorstände nach einem Misserfolg einen Teil ihrer Boni wieder zurückzahlen müssen, ist überhaupt eine Totgeburt: Dieses System ist nur durchsetzbar, wenn man das Geld schnell zurückholen kann. Dafür müssten die Boni auf einem eigenen Bonus-Konto liegen - und dass Geld, das man nicht ausgeben darf, zu Höchstleistungen anspornt, darf bezweifelt werden.

Schon diese Beispiele zeigen: Wer eine Lösung für das Managergehälter-Problem findet, verdient wirklich einen Nobelpreis. Doch bis es soweit ist, sollten wir den Vorständen nicht in die Taschen schauen, sondern auf die Finger. Denn während ein guter Manager für sein Unternehmen und die Volkswirtschaft Gold wert ist, übersteigt bei einem schweren Managementfehler der Schaden die Entlohnung um ein Mehrfaches. So gesehen am Flughafen: Auch dort wurde weit mehr in Sand gesetzt, als nur das, was die Vorstände kassiert haben.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
redaktion@wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001