DER STANDARD - Kommentar "Kein Ansturm absehbar" von Michael Völker

Ausgabe vom 10.12.2010

Wien (OTS) - Spät, aber doch will sich Österreich um ein geregeltes Zuwanderungssystem bemühen und gezielt Spitzenkräfte und Facharbeiter ins Land holen. Es ist ein elitäres System, das erfahrene und besser ausgebildete Migranten bevorzugt. Kommen darf nur noch, wer gebraucht wird. Es regiert das Leistungsprinzip. Das ist immer noch besser als gar kein Prinzip oder das träge und starre Quotensystem, mit dem bisher der Zuzug abseits des Asylsystems geregelt wurde.

Jetzt buhlt die Regierung aktiv um Spitzenleute aus dem Ausland. Tolle Manager, hochqualifizierte Wissenschafter und erfahrene Ärzte sollen kommen. Sie müssen nicht einmal Deutsch können. Das ist aber noch kein Anreiz. Sollen sich Spitzenmanager über eine Rot-Weiß-Rot-Card freuen, die sie stolz im Freundeskreis herzeigen können?

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren beharrlich den Ruf erarbeitet, ein Land zu sein, in dem Ausländer nicht sehr geschätzt werden. In dem es für Migranten recht ungemütlich sein kann. Innenministerin Maria Fekter hat sich um diesen Ruf besonders verdient gemacht.

Es braucht niemand Sorge haben, dass Österreich jetzt von hochqualifizierten Spitzenkräften überrannt wird. Die gehen anderswohin. Auch Fachkräfte werden sich nicht anstellen. Österreich hat sich seinen Ruf redlich erworben und nichts dafür getan, das Ansehen zu verbessern. Eine Karte wird daran nichts ändern.

Rückfragen & Kontakt:

Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST0001