WirtschaftsBlatt-Leitartikel: leitartikel Bildungsdebakel:Ein Land weit aus der Welt - von Wolfgang Unterhuber

Österreich ist nichts für unternehmerisch denkende Menschen

Wien (OTS) - Hysterie. So lässt sich die Reaktion auf die diese Woche veröffentlichte PISA-Studie wohl am treffendsten beschreiben. Experten und Politiker überschütten sich seither mit Kritik und Ratschlägen. Dabei waren die Ergebnisse der Studie alles andere als überraschend. Jeder Unternehmer, der Lehrlinge einstellt, jede Firma, die Praktikanten mit Matura beschäftigt, kann ein Lied davon singen:
Österreichs Jugend ist katastrophal ausgebildet. Die Ursachen für den zunehmenden intellektuellen Verfall hat hierzulande tiefe Wurzeln, die leider nur selten beleuchtet werden. Problem Nummer eins: In einem Land, in dem die Bildungspolitik maßgeblich von obersten Beamtengewerkschaftern bestimmt wird, können nur miserable Ergebnisse herauskommen. Problem Nummer zwei: Leistung, Wettbewerb, Risiko, das Streben nach oben sind des Österreichers Sache nicht. "Nur net auffallen", lautet die Devise. Wer aus der Masse durch besondere Leistung hervorsticht, wird nicht bewundert, sondern mit Neid verfolgt und im Falle des Sturzes scheinheilig bedauert. Problem Nummer drei: Der Spirit in diesem Land hat sich seit den Tagen der Monarchie nicht wesentlich verändert. Österreich war und ist kein Land für unternehmerisch denkende Menschen. Wer sprichwörtlich etwas unternimmt und dabei auch noch erfolgreich ist, ist in den Augen der Öffentlichkeit ein Halbkrimineller. Wo aber kein unternehmerischer Geist herrscht, wird Bildung zur Nebensache. Problem Nummer vier:
Schon die Jugend denkt an die Pension. Der Weg dorthin soll über eine "sichere Arbeit" führen. Der Traumberuf vieler Österreicher: Beamter beim Arbeitsmarktservice. Problem Nummer fünf: Mit Dummheit kommt man hierzulande sehr weit. Nicht die Erfolgreichen werden von den Medien vor den Vorhang geholt, sondern die Minderbegabten dürfen in öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Anstalten ihre Weisheiten in die Welt hinausrülpsen (und dabei auch noch gutes Geld verdienen). Deshalb hat dieses Land so viele Prominente und so wenige gebildete Menschen.

Wie schrieb schon Mark Twain vor über 100 Jahren in seiner Erzählung "Der geheimnisvolle Fremde": "Österreich lag weit aus der Welt und schlief. Es war noch Mittelalter in Österreich und wollte wohl für immer so bleiben."

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