"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Freiheit für den Handel" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 10.12.2010

Wien (OTS) - Rund um den 8. Dezember hat sich einmal mehr die Verlogenheit der Ladenschluss-Diskussionen gezeigt. Alle Geschäfte durften am Marienfeiertag offenhalten, aber niemand musste. Die Handelswelt ist nicht untergegangen, weil von den großen Ketten unter anderem Billa, Sutterlüty und heuer auch BauMax geschlossen gehalten haben.

Es war rein kaufmännisches Kalkül, das die Chefs dieser Ketten zu ihrer Entscheidung gebracht hat. Dass sie ihren Mitarbeitern "einen freien Tag schenken wollten", haben sie wohl selber nicht geglaubt. Sonst hätte der Rewe-Konzern nicht die Billa-Filialen geschlossen, bei den konzerneigenen Merkur-und Bipa-Filialen aber die Rollläden hochgezogen. Und auch BauMax-Chef Martin Essl findet nichts dabei, dass die Auslandstöchter an jedem Sonntag offen halten, wo immer das erlaubt ist.

Die Begründung war also mehr als scheinheilig und ist bei den Mitarbeiter(inne)n teilweise gar nicht gut angekommen. Viele wären froh gewesen über die saftigen Überstundenzuschläge und den zusätzlichen freien Tag. Selbst die Kirche scheut sich nicht, am Marienfeiertag Geschäft zu machen: Im Wiener Dom-Shop gab es am 8. Dezember keineswegs nur Devotionalien, sondern unter anderem auch Schneekugeln, Teelöffel, Glasuntersetzer, Bierdeckel und Mozart-CDs zu kaufen. Von einer Strafe Gottes für diesen Frevel war bislang nichts zu bemerken. Geschlossen hatten am Feiertag jene Läden, bei denen sich die zusätzlichen Personalkosten nicht gerechnet hätten.

Daraus lässt sich nur ein Schluss ziehen: Die Ladenöffnungszeiten gehören wie in vielen anderen Ländern ohne Einschränkungen freigegeben. Dann kann offenhalten, wer will, aber selbstverständlich muss niemand aufsperren, und auch die Mitarbeiter(innen) dürfen nicht gezwungen werden, sich ins Geschäft zu stellen (obwohl das unter anderem für Köche und Kellner, Schilehrer oder Tankwarte eine Selbstverständlichkeit ist, über die niemand redet).

Aufregen dürften sich über eine Liberalisierung der Öffnungszeiten nur Tankstellen und Geschäfte in Flughäfen und Bahnhöfen: Dort wird längst sieben Tage die Woche rund um die Uhr verkauft, was das Herz begehrt, allerdings zu meist deutlich höheren Preisen als im normalen Handel. Aber auch das gehört zum freien Wettbewerb, der endlich auch in Österreich großgeschrieben werden sollte.

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