"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Unschuld am Telefon"

Abhör-Protokolle riechen nach Korruption, müssen aber geheim bleiben.

Wien (OTS) - Knapp 10 Prozent der Österreicher haben im letzten Jahr ganz diskret Kuverts mit ein paar Scheinen überreicht. Das hässliche Wort dafür heißt Korruption. Damit sind wir in Europa weit vorne, im Staate Dänemark etwa ist gar nichts faul, dort ist Korruption unbekannt. Kann sein, dass man im Norden nie einen Finanzminister hatte, der wiederum gute Haberer hatte, die wiederum aus dieser Freundschaft finanzielle Vorteile ziehen wollten. Es gilt die Unschuldsvermutung. Aber nicht für die Justiz, die dieses Treiben zwar interessiert, aber bisher ohne Konsequenzen beobachtet.
Es gibt den Haftgrund der Verdunkelungsgefahr. Und zwar mit Grund. Die Herren Grasser, Ex-Finanzminister, und Meischberger, Ex-FPÖ-Generalsekretär, plauderten am Telefon darüber, wie man sonderbare Geldüberweisungen darstellen könnte. Die Justiz lauschte -und handelte wieder nicht.
Das ist schon befremdlich genug. Aber dass Medien dafür bestraft werden können, solche Protokolle zu drucken, ist ein Skandal. Wer soll denn das alles aufklären? Und wer kann es Otto Normalo verdenken, wenn er ein paar Scheine nimmt? Bei den Großen ging es um Millionen. Wie gesagt - die Unschuld wird vermutet.

Rückfragen & Kontakt:

KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKU0001