WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schweigen als Rezept gegen die Finanzkrise - von Esther Mitterstieler

Die Politik sollte nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen

Wien (OTS) - Rezepte gegen die Finanzkrise wurden in den
vergangenen zwei Jahren verschiedenste angeboten, doch der Braten ist immer noch zu zäh, als dass man sagen könnte, wir hätten eines gefunden. Milliardenschwere Konjunkturspritzen und ebensolche Rettungsschirme wurden gespannt, die Märkte erschütterte das allerdings mal heftiger, mal weniger stark.

Nun haben wir ein neues Rezept gefunden, das von einer kommt, die es wissen muss: Maria Schaumayer, Grande Dame der europäischen Notenbanker, sieht die Kraft der Wirtschaft in der Ruhe. Nach dem Motto: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - als Rezept für einen Antipasto sehr gut geeignet. Nach Schaumayer: "Es muss endlich Schluss sein mit den schlechten Prognosen, dass Politiker darüber sinnieren, welches Land als nächstes gefährdet ist. Wenn die Märkte sehen, da ist nichts mehr zu holen, lassen sie's sein. Aber wenn sie immer neue Stichworte bekommen, spekulieren sie weiter."

Tja, was einfach klingt, ist es nicht. Da denkt die deutsche Bundeskanzlerin laut über eine Umschuldung der betroffenen Staaten nach, der österreichische spricht in einem Interview mit dem WirtschaftsBlatt der spanischen Regierung volles Vertrauen aus, dass sie in Eigenverantwortung ihre Aufgaben der Budgetkonsolidierung lösen kann - und schickt am Tag danach eine OTS aus, um dies zu bekräftigen. Weil er offensichtlich von anderen Seiten falsch verstanden wurde. Die Hysterie greift also um sich, und die Spekulanten werden es nicht lassen, die Märkte rauf und runter zu prügeln, wie Schaumayer richtig sagt.

Ist das mangelnde Verständnis für die Zusammenhänge im globalisierten Wirtschafts- und Politgefüge ein derart ausgeprägtes oder bloß die schiere Angst vor dem, was als Nächstes kommt? Und bitte reden wir uns bloß nicht darauf hinaus, dass wir ohnehin viel besser dran sind als die anderen, vor allem die bösen PIGS (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien).

Auch wir müssen den budgetären Gürtel enger schnallen und sollten endlich aufwachen und Zwei- und Dreigleisigkeiten der öffentlichen Hand beseitigen. Und erinnern Sie sich an den März 2009. Damals ließ Moody's Österreich für einige Wochen erschüttern - mit einem zugegebenermaßen deplatzierten Rating.

Was ein solches anrichten kann, hat sich an den rasant gestiegenen Zinsen für Staatsanleihen gezeigt, die hart auf den Schultern des Finanzministers lasteten. Daher ist der Tipp, nicht aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, in jedem Fall ein guter.

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