TIROLER TA"GESZEITUNG "Leitartikel" vom 9. Dezember 2010 von Alois Vahrner "Kaufen oder verschnaufen am Feiertag"

Der 8. Dezember gilt quasi als fünfter Einkaufssamstag für den heimischen Handel. Es profitieren aber längst nicht alle.

Innsbruck (OTS) - Die Zeiten, in denen sich am Feiertag so knapp
vor Weihnachten lange Autokolonnen von Tirolern ins benachbarte Bayern und nach Südtirol wälzten, sind lange vorbei. Schnee von gestern ist auch das Wehklagen des Handels, der den Abfluss vieler Millionen beklagte. Und es ist schon fast vergessen, dass einst der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer nach einer Aufsperr-Erlaubnis einen heftigen Rüffel vom Höchstgericht bezog oder dass die Handelskette Hartlauer werbewirksam ihre Filialen am 8. Dezember trotz Verbots aufsperrte und saftige Strafen in Kauf nahm. Vor mittlerweile 15 Jahren, am 8. Dezember 1995, durften die Läden am Marienfeiertag erstmals legal aufsperren - begleitet von heftigen Protesten der Gewerkschaft und der Kirche. Mittlerweile ist die Sache endgültig gegessen, auch wenn es vereinzelt noch immer Kritik am Aufsperren gibt. Aber Hunderttausende Einkaufswütige, die österreichweit an den Handelskassen geschätzte 150 bis 200 Mio. Euro und damit so viel wie an einem Adventsamstag rollen lassen, sind auch eine Art Volksabstimmung über den früher so umstrittenen Einkaufsfeiertag.
Unbestritten ist: Die Millionenabflüsse ins Ausland sind gestoppt. Ganz im Gegenteil kaufen gerade Massen von Südtirolern und Italienern verstärkt in Tirol ein. Der 8. Dezember ist ein Umsatzfest, aber bei Weitem nicht für alle. Viele kleine Händler haben im Gegensatz zu den großen Einkaufszentren vom Rummel nicht profitiert. Und neben den Kleinen lassen auch immer mehr große Ketten am Feiertag zu. Ob allein aus Sorge um die Mitarbeiter, denen eine Arbeitspause gegönnt werden soll, oder weil es sich wegen der satten Feiertagszuschläge nicht gelohnt hat, bleibe dahingestellt.

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