AHS-Quin zu PISA: Weg mit ideologischen Scheuklappen, her mit echten Reformen!

Bahn frei für Qualitätsoffensive an den Schulen

Wien (OTS) - Als "Jahrhundertchance" sieht Eckehard Quin, der Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, die PISA-Ergebnisse. "Vielleicht sind die Ergebnisse Anstoß für die Bildungspolitik, endlich vom Reiten ideologischer Steckenpferde abzugehen und sich sinnvollen Reformen zuzuwenden, wie sie die Lehrergewerkschaft seit vielen Jahren fordert", hofft Quin.

"Es ist völlig gleichgültig, wie groß der Anteil des Schülerboykotts am PISA-Absturz war", so Quin an die Adresse der Bildungsministerin. "Der Hilfeschrei der SchülerInnen im Jahr 2009 darf keinesfalls ungehört verhallen!"

"Wir LehrerInnen müssen seit Jahren beobachten, mit welchen Lesedefiziten Zehnjährige ins Sekundarschulwesen eintreten!" so Quin weiter. Lesestudien im Primarbereich wie PIRLS zeigen das seit Langem auf. "Ich weiß als Vater zweier Kinder, dass die VolksschulpädagogInnen ihr Bestes geben, aber in der Kompensation vorschulischer Sprachdefizite von der Politik alleingelassen werden!"

"Wir können uns wünschen, dass der Trend zu TV und PC aufhört und Bücher wieder vermehrt Einzug in die Wohnzimmer halten. Wünsche ans Christkind bringen uns aber nicht weiter", konstatiert Quin.
Quin fordert daher ein radikales Umdenken in der Bildungspolitik und verlangt echte Bildungsreformen, die das Problem an der Wurzel packen. Seine Forderungen:

  • massiver Ausbau der vorschulischen Sprachförderung, um sozial bedingten Handicaps rechtzeitig zu begegnen
  • Verpflichtung zum Besuch von Förderunterricht bei Defiziten v.a. im sprachlichen Bereich Die Beherrschung der Unterrichtssprache ist unabdingbare Voraussetzung für den schulischen Erfolg von Kindern.
  • tatsächliche und flächendeckende Reduzierung der Klassengrößen auf unter 25 SchülerInnen für bessere individuelle Förderung
  • wissenschaftlich fundierte Diagnoseinstrumente zur richtigen Schulwahl an den Nahtstellen SchülerInnen sollen die ihrem aktuellen Leistungsstand, ihren Stärken und Schwächen, ihrer Lernmotivation und ihren Interessen und Neigungen am besten entsprechende Schule besuchen.
  • Investition in pädagogisches Unterstützungspersonal (SozialarbeiterInnen, SchulpsychologInnen, FreizeitpädagogInnen etc.)
  • neue LehrerInnenbildung auf vollakademischem Niveau, keine Schmalspurausbildung von "HilfslehrerInnen"
  • stärkere Betonung von Sozialkompetenz, Leistung und Nachhaltigkeit in den Schulgesetzen

Quin zu den von den PISA-FetischistInnen gerne tot geschwiegenen PISA-Siegern in Ostasien: "Niemand will die Einführung von Drillschulen nach koreanischem Muster. Der Weg der "Kuschelpädagogik", in der Leistungsbereitschaft und Anstrengung zu Untugenden diffamiert wurden, ist aber offensichtlich kein Erfolgsrezept!"

Quin an BM Schmied: "Beenden Sie endlich den Propagandaschmäh "NMS", wo mit unrealistisch hohem Mitteleinsatz Systemkosmetik auf Kosten der großen Mehrheit von SchülerInnen und LehrerInnen betrieben wird! Investieren Sie in die Zukunft aller Kinder, sonst steuern wir auf eine Bildungskrise zu, die die Bankenkrise in den Schatten stellt!"

"Verlieren wir keine Zeit! Ich strecke der Ministerin die Hand zu einem konstruktiven Miteinander für substantielle und zielführende Reformen entgegen", so Quin abschließend.

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