BM Claudia Schmied: Achim Hochdörfer zeigt als Österreichbeitrag bei der 12. Biennale in Kairo Werkreihe von Ulrike Müller

Wien (OTS) - Vom 12. Dezember 2010 bis 12. Februar 2011 findet die 12. Biennale in Kairo statt. Zum Kommissär für den österreichischen Beitrag hat Kulturministerin Dr. Claudia Schmied Mag. Achim Hochdörfer, Kurator am MUMOK, bestellt. Die Biennale Kairo zählt zu den wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Ägypten. Das diesjährige Thema lautet "Die gegenwärtige zeitgenössische visuelle Sprache der Künstler und ihre Vielfalt". Generalkommissär der 12. Biennale in Kairo ist Ehab El-Laban.

"Kommissär Achim Hochdörfer thematisiert mit dem diesjährigen Österreichbeitrag der Künstlerin Ulrike Müller bei der 12. Biennale in Kairo das Spannungsverhältnis zwischen innerer Realität, Projektion und Wahrnehmung, das gerade bei der Auseinandersetzung mit einer anderen Kultur spürbar wird. Mit den Arbeiten der international agierenden Künstlerin wird der Kunststandort Österreich bestens präsentiert. Ich bin überzeugt, dass unser Land mit dem Beitrag die Aufmerksamkeit der internationalen Kunstszene auf sich lenken wird", so Kulturministerin Claudia Schmied.

Kommissär Achim Hochdörfer hat für den österreichischen Beitrag in Kairo die Künstlerin Ulrike Müller ausgewählt. Die in Vorarlberg geborene und in New York lebende Künstlerin hat für die 12. Biennale eine neue Werkserie mit 18 Emaille-Bildern und drei größeren Teppichen konzipiert, die im Palace of Art in Kairo ausgestellt werden.

Als assoziativer Bezugspunkt dient Ulrike Müller Ingeborg Bachmanns unvollendeter Roman "Der Fall Franza", der in Teilen auf eine Ägyptenreise Mitte der 1960er Jahre zurückgeht. Bachmanns Kritik an patriarchaler Gewalt und ihre Beobachtungen der (neo)kolonialen Beziehung von westlicher und ägyptischer Kultur hat sie dabei in Schilderungen der Landschaft und der archäologischen Altertümer verarbeitet - Schilderungen, in denen die Grenzen zwischen inneren Projektionen und Wahrnehmungen der äußeren Realität fließend werden. So entdeckt Müller in der scheinbaren Neutralität abstrakter und diagrammatischer Bildmuster psychologisch und identitätspolitisch komplexe Affekt- und Gewaltstrukturen: Linien und Formen berühren sich, dringen ein, laufen auseinander, verschlingen sich, lassen sich gehen und lösen sich auf. Sie fügen sich streng symmetrischen Ordnungen und weichen doch entschieden davon ab. Die Formen springen zwischen positiv und negativ, sie sind abstrakt und suggestiv, ikonisch und narrativ.

In der von Müller verwendeten Technik des gebrannten Emaille, die in Schildern oder Schmuck allgegenwärtig ist - insbesondere auch in der neuen Serie von Teppichen -, wird zudem die traditionelle Trennung zwischen autonomer und angewandter Kunst adressiert: als Begehren, ästhetische Produktion und immer wieder neu auf die konkrete Lebenswelt zu beziehen.

Ulrike Müller versteht ihre künstlerische Arbeit als Weiterführung und Erweiterung feministischer Fragestellungen. Dabei verbindet sie aktivistische Anliegen mit einer Reflexion formalistischer Bildsprachen der Moderne. Die von Müller verwendeten Medien und Techniken sind breit gefächert: Textarbeiten, Audio- und Video-Installationen und in jüngster Zeit insbesondere kleinformatige Zeichnungen, Gemälde und in Emaille auf Stahl gebrannte Bilder. Ulrike Müller ist aktives Mitglied der queer feministischen Community und Mitherausgeberin des feministischen Magazins LTTR.

Achim Hochdörfer ist seit 2001 Kurator am Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (MUMOK). Er kuratierte u. a. die Ausstellungen "Jeff Wall: Photographs" (2003), "Mike Kelley: Das Unheimliche" (2004), "Why Pictures Now. Fotografie, Film, Video heute" (2006, gemeinsam mit Christian Kravagna und Matthias Michalka) und zuletzt "Cy Twombly. Sensations of the Moment" (2009). Zurzeit bereitet Achim Hochdörfer für das MUMOK eine Ausstellung mit Tacita Dean (März 2011) und eine Retrospektive von Claes Oldenburg (Februar 2012) vor. Seit 2001 ist er mit dem Aufbau und der Leitung des Bereichs "Wissenschaftliche Veranstaltungen" mit zahlreichen Vortragsreihen und Performances am MUMOK betraut. Er hat Lehraufträge an der Akademie der bildenden Künste in Wien für Theorie und Geschichte der Fotografie sowie am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien. Seine Publikationstätigkeit zur Gegenwartskunst umfasst zahlreiche Veröffentlichungen in Katalogen und Zeitschriften (u. a. in Artforum, Camera Austria, Texte zur Kunst).

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