AK: Unabhängigkeit der Abschlussprüfer muss gestärkt werden - Vorstoß der EU-Kommission wird begrüßt

Wien (OTS) - Die AK begrüßt den Vorstoß der Europäischen Kommission, die Abschlussprüfung einer Reform zu unterziehen. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass das Überwachungssystem von Unternehmen-insbesondere im Finanzsektor - erhebliche Lücken aufweist. In nur seltenen Ausnahmefällen sind Anmerkungen oder Einschränkungen in den Testaten der Wirtschaftsprüfer zu finden. " Im Mittelpunkt der Reform muss eine Stärkung der Unabhängigkeit der Wirtschaftsprüfer stehen," sagt Heinz Leitsmüller, Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft in der AK Wien. Dafür ist es notwendig, einen verpflichtenden externen Wechsel der Prüfer alle fünf bis sechs Jahre vorzusehen. Weiters sind Beratungs- und Prüfungsleistungen strikt voneinander zu trennen und der Wettbewerb bei den Prüfungsgesellschaften zu forcieren. In börsennotierten Gesellschaften, Banken und Versicherungen sollte darüber hinaus die Bestellung des Prüfers nicht mehr dem geprüften Unternehmen selbst überlassen werden.

Das Urteil des unabhängigen Abschlussprüfers über die Vermögens-und Ertragslage der geprüften Gesellschaft ist sowohl für die Anleger als auch für Gläubiger, Beschäftigte oder Lieferanten von zentraler Bedeutung. Sie müssen sich auf einen vom Management aufgestellten Jahresabschluss und Lagebericht verlassen können, wenn dieser von einem Abschlussprüfer testiert wurde. Die Arbeiterkammer fordert seit Jahren eine externe Rotation der Prüfer, die bis heute nicht umgesetzt wurde. Der verpflichtende Wechsel des Prüfers nach fünf bis sechs Jahren fördert die Unabhängigkeit des Prüfers, ermöglicht aber auch einen angemessenen Einarbeitungszeitraum, um das geprüfte Unternehmen entsprechend kennen zu lernen. Abschlussprüfer werden vom Unternehmen bestellt und bezahlt. Dieses Prinzip steht einer unabhängigen Prüfung entgegen und muss durchbrochen werden. In einem ersten Schritt sollte daher bei börsennotierten Gesellschaften, Banken und Versicherungen die Bestellung des Prüfers von einer unabhängigen Stelle vorgenommen werden. Zusätzlich muss das Beratungs- und Dienstleistungsgeschäft der Prüfer strikt von der Abschlussprüfung getrennt werden. Die Durchführung einer Abschlussprüfung muss die gleichzeitige Annahme eines Beratungsauftrages ausschließen.

Derzeit wird der Markt für Abschlussprüfungen von vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften dominiert. Die im Grünbuch angesprochenen gemeinsamen Prüfungen - ein großer Prüfer gemeinsam mit einem kleineren - würde die Abschlussprüfung auf eine breitere Basis zu stellen und gleichzeitig den Wettbewerb in der Branche beleben. Reformbedarf gibt es auch beim Reporting der Prüfungsergebnisse an die zuständigen Organe wie den Aufsichtsrat. Die Praxis zeigt, dass relevante Ergebnisse und Feststellungen der Prüfung offensichtlich nicht ausreichend berichtet und besprochen werden. Aussagekräftige Prüfungsberichte und Testate sind weitere Reformziele.

Die Forderungen der Arbeiterkammer:
+ Stärkung der Unabhängigkeit der Abschlussprüfer durch verpflichtende externe Rotation und strikter Trennung von Prüfung und Beratung;
+ Stärkung des Wettbewerbs etwa durch verpflichtende gemeinsame Prüfungen;
+ Verbesserung der Berichtspflicht des Prüfers, aussagekräftige Testate.

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