Opfer von Gewalt in Städtischen Heimen: Mittel beschlossen

Heim-Gremium entschied über die ersten Entschädigungsleistungen

Wien (OTS) - Der Gemeinderatsausschuss Bildung, Jugend,
Information und Sport beschloss in seiner Sitzung am 2. Dezember 2010 die finanziellen Mittel für die Entschädigungen für Opfer von Gewalt in Städtischen Heimen. Vorbehaltlich der Beschlussfassung des Wiener Gemeinderates am 15. Dezember 2010 starten ab Jänner 2011 auch die finanziellen Entschädigungen. "Wir sind uns unserer Verantwortung für die schrecklichen Ereignisse, die einigen Menschen in Heimen der Stadt Wien widerfahren sind, bewusst. Deshalb ist es uns besonders wichtig, dass diesen Menschen rasch geholfen wird. Psychosoziale Beratung und Betreuung sowie die historische Aufarbeitung, die der Geschichte dieser Menschen Gehör verschaffen soll, sind deshalb bereits im Laufen", so der Wiener Jugendstadtrat Christian Oxonitsch.

Hilfe für 32 Opfer beschlossen

Das Wiener Gremium unter Vorsitz von Hon.Prof. Dr. Udo Jesionek, Präsident des Weissen Ringes, hat in 32 Fällen über Entschädigungszahlungen bzw. sonstige Leistungen entschieden, die über das rasch und unbürokratisch verfügbare Basisangebot von 10 Stunden Psychotherapie und anwaltlicher Beratung hinausgehen. Das Basisangebot steht allen betroffenen Opfern offen.
Insgesamt werden derzeit 165 Fälle vom Weissen Ring bearbeitet; 44 Betroffene nehmen bereits Therapien zur Bewältigung der Opfersituation in Anspruch.
Die ersten Auszahlungen erfolgen ab Jänner 2011. Die Höhe der finanziellen Entschädigungen orientiert sich an der gängigen Schadenersatz-Judikatur, wie dies auch die Opferschutzanwaltschaft umsetzt. Jedem Opfer steht der Zivilrechtsweg weiter offen.
"Es ist immer äußerst schwierig, erlittenes Leid in Zahlen umzumünzen", erklärt Jesionek, "aus unserer mehr als 30-jährigen Praxis wissen wir aber, dass es für Opfer sehr wichtig ist, dass ihre individuelle Geschichte ernst genommen wird. Die Entschädigungszahlungen, die wir dank der Stadt Wien - trotz rein rechtlicher Verjährung in den meisten Fällen - unbürokratisch leisten können, sind ein Zeichen für diese Anerkennung des Opferstatus."

Historische Aufarbeitung

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Univ.-Prof. Dr. Reinhard Sieder, Vorstand des Instituts für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Wien, hat Anfang November 2010 eine Forschungsgruppe zur Gewalt in städtischen Kinderheimen ihre Arbeit aufgenommen. Im Auftrag der Stadt Wien wird sie jene Erziehungskonzepte, Organisationsstrukturen und alltäglichen Praktiken bis zur Heimreform 2000 analysieren, die wiederholt Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen ermöglichten. "Mit der HistorikerInnenkommission kommen wir einem Wunsch vieler der Betroffen nach. Es ist uns sehr wichtig, ihrer Geschichte Gehör zu verschaffen und sie auch öffentlich anzuerkennen", so Oxonitsch.
Um die diversen Gewalterfahrungen ehemaliger "Heimzöglinge" in ihrer Vielfalt zu dokumentieren und zu analysieren, werden Betroffene zu ausführlichen Gesprächen eingeladen. Es wird ihnen Gelegenheit gegeben, ihre Erlebnisse zu erzählen und öffentliche Anerkennung für erlittenes Unrecht zu erlangen. Die Forschungsergebnisse werden im März 2012 vorliegen und veröffentlicht.

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