Zehn Punkte zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie

Wien (OTS/WIFO) - Die Industrie muss die Hauptrolle spielen, wenn Europa eine weltweite Wirtschaftsmacht bleiben soll. Das ist die Kernbotschaft der Mitteilung "Eine integrierte Industriepolitik für das Zeitalter der Globalisierung", die von der Europäischen Kommission auf Initiative von Vizepräsident Antonio Tajani am 28. Oktober verabschiedet wurde. Von dieser Mitteilung, die als Leitinitiative Bestandteil der Strategie "Europa 2020" ist, sollen starke Impulse ausgehen für eine Beschleunigung des Wachstums und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Viola Groebner, Direktorin für Industriepolitik und Wirtschaftsanalysen der Generaldirektion Unternehmen und Industrie, stellte heute auf Einladung des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) das Zehn-Punkte-Programm der Europäischen Kommission zur neuen "Industriepolitik im Zeitalter der Globalisierung" vor. Das WIFO ist langjähriger Partner und führt ein hochkarätiges internationales Konsortium zur Vorbereitung der jährlichen Berichte über die europäische Wettbewerbsfähigkeit.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen wirtschaftlichen Erholung, die allerdings noch fragil ist und uneinheitlich in Europa verläuft, hat die Europäische Kommission auch für die Industriepolitik wichtige Lehren aus der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise gezogen. Die weltumspannende Arbeitsteilung nimmt an Intensität zu, und die Vorstellung von nationalen Sektoren und Industrien, die kaum in Wechselwirkung mit der übrigen Welt stehen, entspricht immer weniger der Wirklichkeit.

Europa braucht außerdem ein Konzept, das die gesamte Wertschöpfungskette - von der Infrastruktur und den Rohstoffen bis zum Kundendienst - umfasst. Die Förderung der Gründung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie deren Wachstum müssen im Mittelpunkt der EU-Industriepolitik stehen. Darüber hinaus muss der Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft als Gelegenheit begriffen werden, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Die zehn Kernpunkte für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas:

- Eine ausdrückliche und gründliche "Prüfung auf Wettbewerbsfähigkeit" neuer Rechtsvorschriften wird durchgeführt. Die Auswirkungen aller politischen Vorschläge auf die Wettbewerbsfähigkeit werden eingehend analysiert und berücksichtigt.

- Durch "Eignungsprüfungen" bestehender Rechtsvorschriften wird das Potential für eine Verringerung der kumulierten Wirkungen von Rechtsvorschriften ermittelt. Damit sollen die Kosten für Unternehmen in Europa gesenkt werden.

- Die Gründung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie deren Wachstum werden durch einen erleichterten Zugang zu Krediten und durch Unterstützung bei ihrem Gang auf internationale Märkte gefördert.

- Es wird eine Strategie zur Förderung der Stärken der europäischen Normung vorgelegt, um den Bedürfnissen der Industrie gerecht zu werden.

- Die europäischen Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsinfrastrukturen sowie Dienstleistungen werden modernisiert, um der Industrie mehr Effizienz zu bieten und um dem heutigen sich wandelnden und von Wettbewerb gekennzeichneten Umfeld besser Rechnung zu tragen.

- Es wird eine neue Rohstoffstrategie vorgelegt, mit der die passenden Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Versorgung mit einheimischen Primärrohstoffen und für ihre Bewirtschaftung geschaffen werden sollen.

- Der sektorspezifischen Innovationsleistung wird durch Maßnahmen in bestimmten Bereichen Rechnung getragen, beispielsweise im Bereich der fortgeschrittenen Fertigungstechnologien, im Baugewerbe, bei der Verwendung von Bio-Kraftstoffen im Straßen- und Schienenverkehr, um insbesondere die Ressourceneffizienz zu verbessern.

- Den Herausforderungen, die sich bei den energieintensiven Industrien stellen, wird durch Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und zur Innovationsunterstützung begegnet.

- Es wird eine mit der Europäischen Weltraumorganisation und den Mitgliedstaaten gemeinsam entwickelte Raumfahrtpolitik durchgeführt. Die Kommission wird eine Industriepolitik im Raumfahrtsektor entwickeln, um eine solide, die gesamte Lieferkette umfassende industrielle Grundlage zu schaffen.

- Die Kommission wird jährlich einen Bericht über die Wettbewerbsfähigkeit Europas und der Mitgliedstaaten, über industriepolitische Maßnahmen und über die Leistungsfähigkeit erstellen (vgl. MEMO/10/XX).

Soll das ehrgeizige Ziel einer kräftigen, diversifizierten und wettbewerbsfähigen industriellen Grundlage in Europa erreicht werden, so sind einander verstärkende politische Maßnahmen erforderlich. Das trifft insbesondere auf die verschiedenen Leitinitiativen zu, die im Rahmen von "Europa 2020" und anderen Strategien, z. B. jener zum EU-Binnenmarkt vom 27. Oktober, entwickelt wurden.

Die Mitteilung "Eine Industriepolitik für das Zeitalter der Globalisierung" einschließlich aller Anhänge (u. a. Competitiveness Report 2010) sind unter folgender Adresse abrufbar: http://ec. europa.eu/enterprise/policies/industrial-competitiveness/industrial-p olicy/index_de.htm.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Michael Peneder
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
Tel. +43 1 798 26 01-480 * Fax. +43 1 798 93 86
Michael.Peneder@wifo.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | WFO0002