"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter: "Datenschutz ist vorbei"

Was ins Internet kommt, steht weltweit allen zur Verfügung - ganz ohne Schutz.

Wien (OTS) - Julius Raab hinterließ uns folgende Weisheit: Jedes Schriftl is a Giftl. Ein Dokument, das in die falschen Hände gerät, kann für alle Beteiligten zum Verhängnis werden, warnte schon der Staatsvertragskanzler.
Dabei wusste Raab noch nichts vom Internet. Das World Wide Web ist einerseits ein riesiges Reservoir von angesammeltem, zum Teil auch völlig unnötigem Wissen. Das WWW ist aber auch eine öffentliche Plattform, die schnell zum Pranger werden kann. Das haben schon Menschen erfahren, die ihre Partner betrogen haben und dann sehr private Fotos aus besseren Zeiten auf "social websites" wie Facebook vorfinden mussten. In der Diplomatie wurden die Staatsgeheimnisse von gestern jetzt zu fetten Schlagzeilen.
So bringen Datendiebstahl und Hehlerei wieder ein Stück Demokratie. Das Volk erfährt mehr von den Herrschenden, auch wenn sich Politik dann zum Teil so herausstellt, wie sich das der kleine Maxi vorstellt.
Die Diskussion um Datenschutz gehört damit endgültig ins vergangene, analoge Jahrhundert. Oder: Daten, die ich unbedingt schützen will, dürfen im digitalen Zeitalter weder auf Plastikkarten, noch ins Internet. So wird der Fortschritt zum Rückschritt.

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