Leitartikel der Tiroler Tageszeitung von ALOIS VAHRNER: "Euro-Krise Zerreißprobe für ganze EU"

Ausgabe vom 27. November 2010

Innsbruck (OTS) - Täglich gibt es neue Hiobsbotschaften um die verheerende Finanzlage von EU-Ländern, Ausgang ungewiss.

Zuerst die Rettung des fast bankrotten Griechenlands, das die EU jahrelang mit frisierten Zahlen gefoppt und sich die Einführung des Euro unrechtmäßig ertrickst hatte. Jetzt muss Irland, das lange als EU-Musterknabe gegolten hatte, aufgefangen werden. Portugal wird die Flucht unter den Euro-Rettungsschirm empfohlen. Und schon wird über weitere mögliche Wackelkandidaten wie Spanien oder das hoch verschuldete Belgien zumindest spekuliert.

Vordergründig wird zwar von einer Euro-Krise gesprochen. Tatsächlich geht es weniger um die Währung als solche, deren Wechselkurs etwa zum Dollar noch immer sehr hoch ist. Tatsächlich geht es um eine Schuldenkrise der EU-Länder.

Und es drohen all jene Kritiker Recht zu behalten, die vor der Euro-Einführung dem Währungsexperiment ein Fiasko vorausgesagt hatten. Immerhin wurden wirtschaftlich völlig unterschiedliche Staaten unter dem Euro-Dach zusammengespannt. Vom Muskelprotz Deutschland mit der damals überharten D-Mark bis hin zu vor allem südeuropäischen Ländern, die ihre Währung immer weiter aufweichten, um ihre schwächelnden Exporte anzukurbeln. Das alles unter viel zu wenig zentralen Eingriffsmöglichkeiten der EU-Wirtschaftspolitik.

Jetzt drohen im Dominosystem immer neue Brandherde, die wohl mit noch massiveren Rettungsschirmen aufgefangen werden müssen. Auch wenn es den großen Zahlern wie Deutschland (und auch Österreich) nicht passt: Derzeit gibt es dazu keine Alternative, soll die EU nicht vollends ins Chaos stürzen. Eines gehört aber dringend geändert: Das Risiko für Investments in Schuldenstaaten dürfen nicht länger nur die Staaten und damit die Steuerzahler tragen, sondern auch Private wie Banken.

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