"profil": "Es gab permanent Konflikte mit Jörg Haider"

Wolfgang Kulterer im Interview über den Fall Styrian Airways: "Keine Bank dieser Welt hätte die Kreditvergabe abgelehnt"

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" verteidigt der frühere Vorstandsvorsitzende der Hypo Alpe-Adria International Bank AG Wolfgang Kulterer die 2005 erfolgte Kreditvergabe an die später kollabierte Airline Styrian Airways: "Zweifellos war Styrian ein Sanierungsfall. Die Weiterführung der Fluglinie und deren Anbindung an Klagenfurt war politisch erwünscht, in Kärnten ebenso wie in der Steiermark." Laut Kulterer gab es im Vorfeld der Kreditvergabe (für welche er sich 2011 vor Gericht verantworten muss) eine Haftungszusage des Landes Kärnten: "Mehrfach habe ich diese Garantie eingefordert, doch sie hat sich ständig verzögert." Überdies habe es "eine fixe schriftliche Vereinbarung mit dem Land Steiermark" gegeben, der Airline weiteres Kapital zuzuführen. Auf Basis dieser Sicherheiten hätte "keine Bank dieser Welt die Kreditvergabe abgelehnt. Ich würde es als Bank auch genauso wieder machen." Auf sein Verhältnis zu Jörg Haider angesprochen meint Kulterer: "Nachdem Haider 1999 Landeshauptmann geworden war, gab es permanent Konflikte, weil er andauernd intervenierte, vorzugsweise im Personalbereich. Ich habe eine ellenlange Liste von Wünschen, die ich nicht erfüllt habe. Da wäre zum Beispiel die Rogner-Gruppe. Für alle Projekte, die Rogner (Robert Rogner, Bau- und Tourismusunternehmer, Anm.) irgendwo initiierte, intervenierte Haider massiv. Dann kam er mit Feriendörfern, Schmerzkliniken oder Fußballsponsoring." Wie Kulterer weiter ausführt wollte er bereits 2004 zurücktreten und zwar noch vor Eintreten der so genannten Swap-Verluste. "Ich fühlte mich wie ein Hamster im Laufrad. Ich habe dieses Gefühl aber verdrängt. Ich habe meine Familie geopfert, meine Ehe ging in Brüche, rundherum war alles, was Leben bedeutet, kaputt, denn es gab nur noch ein Leben, und das war die Hypo. Ende 2004 kamen die Swap-Verluste tragen und ich wollte die Bank in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen. Ich wollte dieses Problem unbedingt lösen. Für mich persönlich wäre jedoch ein Rücktritt klüger gewesen."

Auf Vorhalt, das Beratungsunternehmen PriceWaterhouseCoopers habe 2009 einen verschleppten Wertberichtigungsbedarf in erheblichem Ausmaß konstatiert, entgegegnet Kulterer: " PWC hat das Kreditportfolio an zwei Stichtagen im Juni 2008 und 2009 verglichen. In diese Zeit fällt der Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Es ist ja wohl klar, dass sich das Kreditportfolio bei allen Banken auf der Welt dramatisch verschlechtert hat. Man hat die krisenbedingten Abschläge direkt eingerechnet. Keine österreichische Bank, die in Zentral- und Osteuropa tätig ist, hätte eine Bewertung nach diesen Kriterien überlebt. Das war der Totenschein für die Hypo, und wäre es für jede andere Bank auch gewesen."

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