"Das ganze Interview" ab 25. November auf TW1: Heinz Sichrovsky trifft Österreichs umstrittenen Literaturstar Peter Handke in Paris

In entspannter Atmosphäre plaudert Peter Handke über sein neues Stück, sein Treffen mit Radovan Karadzic und die erfreuliche Tatsache, dass er in zwei Jahren seinen 70. Geburtstag feiert.

Wien (OTS) - Es wird Holz gehackt in Chaville. Das tut Peter
Handke, sofern er nicht gerade einen seiner regelmäßigen Schreibanfälle hat. Er genießt aber auch die Ruhe in seinem Garten in der Nähe von Paris oder verbringt seine Zeit mit lesen - außerdem besucht er gelegentlich eine Russisch-Orthodoxe Kirche.

"erlesen"-Moderator Heinz Sichrovsky hat sich mit Österreichs umstrittensten Literaturprotagonisten in Paris getroffen und in einem kleinen Palais nahe der Seine mit ihm über seine Heimat, seine Inspiration und jene zwei Dinge gesprochen, auf die er im Leben besonders stolz ist - eines davon sei, dass er sich öffentlich zum Jugoslawien Konflikt zu Wort gemeldet hat. Handke nimmt in seinem Reisebericht "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien" eine für sich differenziertere Wortwahl und Darstellung der Ereignisse als in der allgemeinen journalistischen Berichterstattung üblich ist, in Anspruch und stieß damit auf heftige Kritik. Ihm wird bis heute eine Verharmlosung der serbischen Kriegsverbrechen vorgeworfen. Dass er im Jahr 2006 bei der Beerdigung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Slobodan Milosevics als Grabredner auftrat, führte zu einem Wiederaufleben dieser heftigen Kontroverse.

"Die neue TW1 Sendung "Das ganze Interview" bietet uns die Möglichkeit, im Sinne einer optimalen Ressourcennutzung, Interviews, die wir ohnedies für eines unserer Formate aufgezeichnet haben, in voller Länge dem interessierten Fachpublikum anzubieten. Die abgedeckte Bandbreite reicht dabei von Gesprächen der ORF Korrespondenten mit ausländischen Politikern über Unterhaltungen mit Zeitzeugen bis hin zum Interview mit interessanten Personen aus Kunst und Kultur," beschreibt TW1 Geschäftsführer Peter Schöber die Intention des neuen Programmformats.

Warum Handke sein Treffen mit Radovan Karadzic, dem ebenfalls wegen zahlreicher Kriegsverbrechen gesuchten, ehemaligen Präsidenten der Serbischen Republik, wichtig war, erzählt Handke ebenfalls im Gespräch mit Heinz Sichrovsky. Karadzic habe ihm zu verstehen gegeben, dass alle Seiten gleichermaßen Leid ertragen mussten. Nicht nur die Bosnier.

Seine unzähligen Wanderungen genießt er besonders im Kosovo - nicht unwesentlich daran sei, dass er die Sprache dort nicht versteht. Er habe gern seine Ruhe und genieße die dort herrschenden sehr einfachen Lebensumstände. Handke ist sich allerdings bewusst, dass dies auf die Armut des Landes zurückzuführen ist.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs wird Handkes neues Stück "Immer noch Sturm", das nun als Buch vorliegt, unter die Lupe genommen. Darin beschreibt er das Schicksal von Kärntner Slowenen während der Nazi-Zeit. Da seine Mutter eine der Hauptfiguren des Stückes darstellt, hat sein Werk autobiografische Ansätze. Dass er sich gerne an seine Kindheit erinnert und in welcher Weise ihn seine Mutter inspirierte, wenn sie ihm als Kind Geschichten vorgelesen hat, bleibt den Zusehern nicht verborgen. Obwohl seine Familie zur ärmeren Bevölkerung Griffens (Kärnten) zählte und die dort herrschenden Probleme nicht an ihm vorüber gingen, erfuhr Handke ein idyllisch-provinzielles Dorfleben, das durch Kirchenbesuche, Spaziergänge und Kartenspiele geprägt war. Viele dieser Eindrücke verarbeitete der Schriftsteller später in seinen Büchern - so auch in seinem Debütroman "Die Hornissen", der aus bildreichen Schilderungen dieses Dorflebens besteht.

Zum Abschluss spricht "erLesen"-Moderator Heinz Sichrovsky mit Handke über das Älterwerden, wobei der Schriftsteller einen ungewöhnlich offenen Einblick in seine Gefühlswelt offenbart. Der Schriftsteller freut sich darauf, denn er feiere schließlich gerne Geburtstag.

Kurzbiographie Peter Handke

Peter Handke zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Literaten des deutschen Sprachraums und wurde am 6. Dezember 1942 im kärntnerischen Griffen geboren. Nachdem sich seine Mutter zwei Jahre später entschloss, zu den Eltern ihres Ehemannes, Handkes Stiefvater, nach Berlin zu reisen, kehrten sie kurz vor Kriegsende in das Haus Handkes Großvaters nach Kärnten zurück. Handke besuchte das katholisch-humanistische Gymnasium in Tanzenberg, wo er beim Verfassen eines Textes mit dem Titel "Mein Leben. 2. Teil" seine Affinität zum Schreiben entdeckte. 1961 begann er in Graz sein Studium der Rechtswissenschaften, brach allerdings vor der dritten Staatsprüfung wieder ab, um sich der Tätigkeit als Schriftsteller zu widmen.

Der internationale Durchbruch gelang ihm mit Werken wie "Wunschloses Unglück" sowie "Die linkshändige Frau", welche u.a. auch verfilmt wurden. Im Laufe seines Lebens schrieb er nicht nur Drehbücher oder führte gelegentlich selbst Regie, sondern agierte auch als Berichterstatter von Filmfestspielen und als Mitglied von Filmjurys. Außerdem widmete sich Handke beim Verfassen von Radio-Feuilletons unterschiedlichen Massenphänomenen und übte sich dadurch in einer neuen, themenbezogenen Form des Schreibens. 1987 startete er eine drei-jährige Weltreise, die in Chaville endete. Dort lebt er heute noch. An diesem Ort in der Pariser Peripherie scheint Handke seinen Lebensmittelpunkt gefunden zu haben. Der Schriftsteller war zwei Mal verheiratet und ist Vater von zwei Töchtern.

"Das ganze Interview"

Ist das neue ausführliche Interviewsendeformat von TW1. Ziel dieser neuen TW1-Gesprächssendung ist es, dem interessierten Fachpublikum, Interviews, die von Korrespondenten, Redakteuren und Journalisten von TW1 und ORF geführt wurden, ergänzend und in voller Länge anzubieten.

Sendezeiten:

"Das ganze Interview" mit Peter Handke:
Erstausstrahlung: Donnerstag, 25. November um 19:45-20:15 Uhr Weitere Ausstrahlungen: Fr, 26.11. um 22:45-23:15 Uhr, So, 28.11. um 23:30-00:00 Uhr und Mo, 29.11. um 12:35-13:05 Uhr und 19:15-19:45 Uhr

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