- 23.11.2010, 11:40:13
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Greenpeace deckt Konsumententäuschung bei Dosentunfisch auf
DNA-Analysen weisen massiven Beifang und falsche Kennzeichnung nach
Wien (OTS) - Greenpeace veröffentlichte am Dienstag die Ergebnisse
einer unabhängig durchgeführten DNA-Analyse von beliebten
Tunfischdosen. Dabei konnte eine Irreführung der Konsumenten
bezüglich der enthaltenen Tunfischarten und eine rücksichtslose
Missachtung der Tunfischindustrie der gefährdeten Fischbestände
festgestellt werden. "In einem Drittel der getesteten Dosen war nicht
das, was draufsteht oder überhaupt erlaubt ist. Die Konsumenten essen
mit diesen Tunfischprodukten zum Teil stark gefährdete Jungtiere und
wissen es nicht einmal", kritisiert Antje Helms,
Greenpeace-Meeresbiologin. "Unsere Analysen zeigen, dass fast die
gesamte Darstellerliste des Zeichentrickfilms 'Findet Nemo' als
Beifang in den Netzen der Tunfischindustrie landet", so Helms weiter.
Das auf Fischprodukte spezialisierte spanische Molekularlabor
ATZI-Tecnalia untersuchte im Auftrag von Greenpeace insgesamt 165
Dosen von fünfzig verschiedenen Marken aus zwölf Ländern - darunter
auch mehrere in Österreich beliebte Marken. Bei rund dreißig Prozent
der Dosen wurden bemerkenswerte Ungereimtheiten nachgewiesen,
darunter die Vermischung mehrerer Tunfischarten in einer Dose.
Weiters waren andere Fischarten in der Dose enthalten als deklariert
war - etwa der stark überfischte Gelbflossen- und Großaugentun.
Beides ist in der gesamten EU verboten. So enthielt eine in
Österreich gekaufte Dose der Marke Rio Mare bedrohten Großaugentun,
obwohl der Hersteller Bolton angibt, diese Tunfischart seit etlichen
Jahren nicht mehr zu verarbeiten.
"Konsumenten und Einzelhandel werden gleichermaßen von der
Tunfischindustrie getäuscht und zu unfreiwilligen Komplizen bei der
Plünderung der Meere gemacht", bringt Greenpeace-Meeresexpertin Antje
Helms die Analysen auf den Punkt. "Selbst wenn Konsumenten
berechtigterweise davon ausgehen, umweltverträglichere Fischprodukte
wie Skipjack-Tunfisch zu kaufen, werden in Wirklichkeit Jungfische
und gefährdete Arten mitgefischt!"
KäuferInnen von Dosen, die Skipjack-Tunfisch aus
Ringwadenfischerei enthalten, tragen oft unwissentlich zur
Überfischung von gefährdeten Tunfischarten bei. Greenpeace führt die
Vermischung verschiedener Arten unmittelbar auf die Verwendung
sogenannter Fischsammler zurück, die inzwischen von über siebzig
Prozent der Ringwadenflotten eingesetzt werden. Fischsammler sind
künstliche schwimmende Objekte, die die Tunfische anlocken und damit
den Ertrag steigern sollen. Doch dadurch landet neben der
Zielfischart Skipjack-Tunfisch auch sogenannter Beifang im Netz:
gemeinsam mit Meeresschildkröten oder seltenen Haien wie der Walhai
auch für die Bestandserhaltung wichtige Jungfische der bedrohten
Tunfischarten Großaugentun und Gelbflossentun. Rund zehn Prozent der
Fangmengen in Ringwaden mit Fischsammlern sind Beifang - weltweit
mehrere 100.000 Tonnen jährlich. Für die geschrumpften Großaugen- und
Gelbflossentunfisch-Bestände ist diese Menge bedrohlich hoch.
"Die Ringwadenfischerei mittels Fischsammler sorgt dafür, dass
beim Tunfischfang fast die gesamte Darstellerliste des Films Findet
Nemo mitgefangen und getötet wird. Alle Supermärkte sollten dringend
dafür sorgen, ihr Sortiment von umweltschädlich gefangenem Tunfisch
zu bereinigen. Ohne Fischsammler und mit Angelruten selektiv
gefangener Tunfisch ist ganz klar die umweltverträglichere
Alternative", appelliert Helms.
Greenpeace fordert daher Handel und Industrie auf, keine
Fischsammler zu verwenden und Meeresschutzgebiete einzurichten, um
bedrohte Fischbestände zu schonen. Greenpeace appelliert auch an die
Mitgliedsländer der regionalen Fischereimanagement-Organisation für
den West- und Zentralpazifik (WCPFC), bei ihrer ab 6. Dezember in
Hawaii tagenden Jahreskonferenz, ihr bestehendes Verbot von
Fischsammlern ganzjährig auszudehnen.
Weitere Informationen und Download des Laborberichtes:
www.greenpeace.at/tunfisch_dna-test
Rückfragehinweis:
Antje Helms, Greenpeace-Meeresbiologin, 0664 2148952
Melanie Beran, Greenpeace-Pressesprecherin, 0664 6126718
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