"trend": UniCredit-Chef Ghizzoni kritisiert österreichische Bankensteuer

Die Bankensteuer "schadet Österreich" und sollte in dieser Form auf ein Jahr beschränkt bleiben, fordert UniCredit-Chef Ghizzoni. Die Bank Austria soll mehr Kompetenzen bekommen.

Wien (OTS) - In seinem ersten Interview mit einem österreichischen Medium hat sich der neue UniCredit-Chef Federico Ghizzoni massiv gegen die in Österreich geplante Bankensteuer ausgesprochen. Gegenüber dem am Montag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "trend" kritisierte der Profumo-Nachfolger die Höhe der Steuer und forderte, dass diese auf ein Jahr beschränkt bleiben sollte. "Die Steuer hier ist sehr hoch. Ich hoffe doch, dass sich Österreich hier einer internationalen Einigung anschließen wird." Die Bedeutung für die UniCredit, so Ghizzoni, " hängt natürlich auch davon ab, wie lange diese Steuer gilt. Gilt sie für ein Jahr, so kann man das verkraften. Wenn sie drei Jahre oder länger gelten soll, kreiert das ein Problem. Das schadet der Wettbewerbsfähigkeit Österreichs, und ich hoffe, dass sich die Politiker dessen bewusst sind. Das wäre gefährlich für Österreich."
Generell kritisiert der 55-jährige Bankchef den Verwendungszweck:
"Ich bin der Ansicht, dass diese Bankensteuer in einen Fonds zur Absicherung des Finanzsystems fließen sollte und nicht in die Sanierung nationaler Budgets."

Was die allgemeine Wirtschaftlage betrifft, glaubt Ghizzoni nicht an ein Double Dip, die Rezession sei vorüber. Zu sagen, dass die Finanzkrise vorüber ist, sei aber verfrüht.
Die Maßnahmen zur Regulierung sieht der Konzernchef mit gemischten Gefühlen: "Ich befürchte, dass wir in Europa sehr streng sein werden, während all das in den USA und in Asien sehr viel lockerer gehandhabt wird. Das ist ja schon jetzt der Fall, etwa bei den Regeln für Managergehälter. Wenn wir in New York Geschäfte machen, dann halten wir uns an die strengen europäischen Regeln, während sich eine US-Bank in London an ihre laxeren US-Regeln hält. Das ist einfach unakzeptabel, und da müssen wir eine Lösung finden."

Auf die Frage, was es bringe, wenn Banken statt sechs Prozent, acht Prozent Eigenkapital halten, antwortet Ghizzoni: "Regeln wie Basel III sind dafür da, eine Krise zu verhindern. Höheres Eigenkapital, niedrigerer Leverage sind schmerzhafte Regeln, die die Profitabilität senken, aber eine Krise verhindern sollen. In der Krise selbst, etwa in der Situation vor zwei Jahren, nutzen sie Ihnen nichts. Wenn es keine Liquidität im Markt gibt wie 2008 und Sie sich nicht refinanzieren können, ist es egal, ob Sie sechs, zwölf oder 20 Prozent Kapital haben. Dann haben Sie trotzdem ein Problem."

Generell aber sind ihm die Belastungen zu hoch: "Ich bin besorgt über die ausufernden Belastungen für die Banken durch Steuern, Einlagensicherung, Eigenkapital, die noch dazu nicht international koordiniert erfolgen. Das kann dazu führen, dass die Banken vor lauter Risikokontrollen aufhören, Kredite zu vergeben. Ich glaube, dass wir zwar insgesamt auf dem richtigen Weg sind, aber aufpassen müssen, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten."

Die UniCredit soll unter seiner Führung eher dezentralisiert werden, sagt Ghizzoni im Interview mit dem "trend": "Was die Organisation betrifft, so müssen wir schlanker werden und noch mehr kundenorientiert. Das heißt, dass wir mehr Macht von der Holding an die lokalen Einheiten delegieren müssen. Wir sind in einer neuen Phase. UniCredit ist sehr schnell gewachsen. In dieser Phase brauchen Sie eine starke Zentralisierung. Jetzt, in der Phase der Konsolidierung, müssen wir eher dezentralisieren."

Deswegen schließt Ghizzoni auch eine Holding-Lösung für das Österreichgeschäft à la Erste Bank, die ab 2012 möglich wäre, kategorisch aus: "Ich sehe nicht, warum das einen zusätzlichen Wert generieren sollte. Wir wollen ja unsere Strukturen vereinfachen."

Auch nach Auslaufen des Bank der Region-Vertrags, der Wien als Steuerzentrale für die CEE-Region festschreibt, will er keine Kompetenzen nach Mailand verlagern: "Das macht ja schon geografisch keinen Sinn. Ich habe hier selbst drei Jahre gearbeitet und gesehen, wie viel Kompetenz und Wissen es betreffend den CEE-Raum gibt. Sie können nicht Wien nach Mailand verpflanzen. Ich habe über so eine Verlagerung nie nachgedacht und habe auch in Zukunft nicht vor, damit meine Zeit zu verschwenden."
Die Kompetenzen der BA würden auch nicht eingeschränkt: "Im Gegenteil, sie bekommt mehr Kompetenzen. Ich glaube, dass wir unser Geschäft noch stärker regional verankern müssen. Um den CEE-Bereich von Wien aus managen zu können, müssen auch die entsprechenden Befugnisse in der BA liegen. In Mailand soll nur das entschieden werden, was wirklich Holding-Sache ist. Alles andere soll in Wien gemanagt werden. Das schafft kürzere Wege, mehr Kundennähe, schnellere Entscheidungen und spart letztlich auch Bürokratie und Papierkram in Mailand."

Einen Rückzug aus Regionen, in denen die Bank Austria tätig ist, schließt Ghizzoni aber nicht aus: "Ich habe jetzt keine Liste von Ländern, aus denen wir uns zurückziehen, aber es könnte in Zukunft passieren, dass wir einige Länder verlassen, falls sie nicht ausreichend profitabel sind. Verbesserung der Profitabilität hat die absolute Priorität in den nächsten Jahren." Das gelte für die ganze Gruppe.

Der angekündigte Abbau von 7000 Jobs in der Gruppe ziele jedoch nicht auf die Bank Austria, sagt Ghizzoni im "trend": "Der Personalabbau betrifft vor allem Italien. Wir haben kein Programm, wonach die BA Mitarbeiter abbauen muss. Davon halte ich nichts. Aber natürlich kann es sein, dass im allgemeinen Bestreben, produktiver zu werden, die Zahl der Mitarbeiter auch in der BA sinkt. Aber das ist ja normales Business. Kosteneffizienz ist immer ein Thema."

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