TIROLER TAGESZEITUNG AM SONNTAG "Leitartikel" 23. 11. 2010, von Mario Zenhäusern: "Suchtkonzept ist seit Jahren überfällig"

Mit Stehsätzen ist das komplexer werdende Suchtverhalten nicht in den Griff zu bekommen. Die Politik muss den Druck erhöhen.

Innsbruck (OTS) - Unglaubliche 17 Jahre ist es her, dass der damalige Gesundheits- und Soziallandesrat Walter Hengl (SPÖ) ein für seine Zeit ungewöhnlich fortschrittliches Drogenkonzept präsentierte. Die darin vorgeschlagenen Maßnahmen wurden beinahe zur Gänze umgesetzt.
Seither hat sich viel getan. Das Suchtverhalten hat sich massiv verändert, der Missbrauch legaler wie illegaler Drogen nimmt zu. Kinder, die sich ins Koma saufen, oder Teenager, die sich mit ihnen unbekannten Substanzen vollpumpen, gehören leider ebenso zur Tagesordnung wie Erwachsene, die ihnen alles andere als ein gutes Vorbild sind. Das Suchtverhalten ist ungleich komplexer geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gesetzgebung den missbrauchten Substanzen immer einen Schritt hinterherhinkt, wie zuletzt das Beispiel Mephedron dramatisch gezeigt hat.
Seit einem Jahrzehnt rufen Experten deshalb in regelmäßigen Abständen immer wieder dazu auf, das Hengl-Konzept zu überarbeiten, zu ergänzen und an die sich ständig ändernden Anforderungen anzupassen. Die zuständigen Beamten im Landhaus reagierten all die Jahre immer mit demselben Stehsatz: "Wir sind eh dran."
Geschehen ist gar nichts. Erst jetzt sollen Wünsche und Forderungen an ein neues Konzept zusammengefasst werden. Diese eklatante Missachtung berechtigter Kritik an bestehenden Missständen lässt nur zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder die Situation ist nicht so ernst, dass ein rasches Eingreifen notwendig ist, oder die Verantwortlichen sind nicht willens oder nicht in der Lage, auf die sich dramatisch verändernde Situation zu reagieren. Weil Ersteres nicht zutrifft, wie die aktuellen Zahlen dramatisch vor Augen führen, ist die Politik gefordert, jetzt endlich den Druck auf die Beamten zu erhöhen.

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