Leiharbeit boomt wieder: AK fordert Fixanstellung nach längerer Beschäftigungsdauer

Linz (OTS) - Für die Unternehmen bedeutet Leiharbeit maximale Flexibilität: Eine Leiharbeitskraft kann jederzeit an den Überlasser "zurückgegeben" werden. Dort folgt dann oft die Kündigung. Die Beschäftigten leben in ständiger Unsicherheit, die Hoffnung auf Fixanstellung wird selten erfüllt. Die Arbeiterkammer fordert, dass Leiharbeitnehmer/-innen nach einiger Zeit auf Wunsch übernommen werden müssen.

Der heimische Zeitarbeitsmarkt boomt wieder. Das wirkt sich positiv auf die Arbeitslosenquote aus. Doch viele Leiharbeitskräfte fühlen sich nach wie vor starkem Druck ausgesetzt, wie auch eine repräsentative Befragung des Instituts für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (ISW) der Arbeiterkammer Oberösterreich belegt.

Rund 70 Prozent der Befragten finden, dass man als Leiharbeitnehmer/-in zu stark an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt ist. 60 Prozent fühlen sich Druck ausgesetzt, weil sie eine Übernahme in den Beschäftigerbetrieb wollen. Die Chancen dafür stufen zwei Drittel der Befragten aber als gering ein.

Leiharbeit wird also von den Arbeitnehmern/-innen überwiegend nicht deswegen gewählt wird, weil sie von den Vorzügen der Flexibilität überzeugt sind. Als Motiv, in diese Beschäftigungsform "einzusteigen", wurde am häufigsten genannt, keine andere Arbeit gefunden zu haben.

Ein weiteres wichtiges Motiv ist der Wunsch, mehr zu verdienen. Viele Beschäftigte kommen aus Niedriglohnbranchen wie Einzelhandel oder Gastgewerbe und wechseln über Leiharbeit in die Industrie. Doch auch die materielle Situation ist für viele nicht zufriedenstellend. 15 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Einkommen aus Leiharbeit "nicht ausreicht", und 54 Prozent sagen, dass es "gerade ausreicht".

Leiharbeitnehmer/-innen sind auch häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen: Gegenüber der Gesamtheit der Arbeitnehmer/-innen ist das Risiko, arbeitslos zu werden, etwa 1,5mal so hoch. Etwa ein Drittel der Befragten ist außerdem der Ansicht, dass Leiharbeitsfirmen auf Krankenstände mit Kündigungen reagieren.

Gerade junge Arbeitnehmer/-innen leiden besonders unter der Unsicherheit von Leiharbeit und streben deshalb eine Übernahme an: 75 Prozent der Unter-26-Jährigen gaben an, eine Übernahme anzustreben, während dieser Anteil insgesamt 67 Prozent ausmacht.

Aus diesem Grund fordert die AK, dass Leiharbeitnehmern/-innen nach einer gewissen Zeit (z.B. nach sechs Monaten) im Beschäftigerbetrieb verpflichtend ein Angebot zur Übernahme in das Stammpersonal gemacht werden soll. "Für eine grenzenlose Verlängerung der Probezeit wurde Leiharbeit nämlich nicht geschaffen", betont AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

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