Christen müssen sich "krisenfest" machen

Kardinal Schönborn bei Männerwallfahrt: Lasst euch nicht irreführen, lasst euch nicht erschrecken, seid bereit zum Zeugnis

Wien (OTS) - =

Wien, 14.11.10 (PEW) Die Christen müssen sich
"krisenfest" machen, wenn die Zeiten schwerer werden und radikale Veränderungen in Gesellschaft und Kirche vor sich gehen , sagte Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag im Wiener Stephansdom vor den rund 5.000 Teilnehmern der Leopolds-Wallfahrt der Katholischen Männerbewegung. Jesus nenne dafür im Evangelium vom Sonntag drei praktische Regeln: Lasst euch nicht irreführen, lasst euch nicht erschrecken, seid bereit zum Zeugnis. Kardinal Schönborn plädierte für Orientierung an der Formulierung der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann "Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar".

Die Älteren könnten sich noch erinnern, wie die totalitären Bewegungen des Nationalsozialismus und des Kommunismus mit falschen Verheißungen die Menschen in die Irre führten, betonte der Wiener Erzbischof. Aber auch heute gebe es Irreführung in der doppelten Gestalt von Verharmlosung und Überdramatisierung. Es sei Verharmlosung, wenn einfach nur gesagt werde, mit der Wirtschaft gehe es schon wieder aufwärts, aber die Staatsverschuldung ausgeblendet wird. Niemand habe eine plausible Antwort, wie man mit dem Schuldenberg vieler Länder umgehen soll. Es gebe aber auch Unglückspropheten, die überall nur Niedergang sehen. Ihnen müsse man deutlich sagen, dass es in Gesellschaft und Kirche nicht nur "Abbrüche", sondern auch "Aufbrüche" gibt.

Das Jesus-Wort "Lasst euch nicht erschrecken" sei besonders wichtig angesichts der Frage, wie es - auch für die nächsten Generationen -mit der finanziellen, ökologischen und demographischen Krise weitergehen wird, sagte Kardinal Schönborn. Man dürfe sich nicht in falscher Sicherheit wiegen, "aber deshalb müssen wir nicht in Angst leben".

Jesus spreche im Evangelium aber auch ausdrücklich von Verfolgungen (Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden). Wörtlich stellte der Wiener Erzbischof in diesem Zusammenhang fest:
"Heute ist das Christentum weltweit die am meisten verfolgte Religion". Keinesfalls dürften die Christen ihrerseits auf diese Situation mit Hass reagieren, Ablehnung könne nicht mit Ablehnung oder gar mit Gewalt beantwortet werden.

Aber auch in Mitteleuropa werde die Kirche in Frage gestellt; viele sagten, dass sie mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollen. Hier komme auf die gläubigen Katholiken eine Aufgabe zu, so Kardinal Schönborn: "Wenn die Frage gestellt wird: Warum bist du noch in der Kirche?, dann ist es Zeit, Zeugnis zu geben und einfach zu sagen, warum einem die Gemeinschaft der Kirche wichtig ist". Der heute spürbare "Gegenwind" könne eine Chance sein, bewusster und klarer für den eigenen Glauben Zeugnis abzulegen.

Die Wallfahrt der Katholischen Männerbewegung führte vom Papstkreuz auf dem Heldenplatz über den Ring zum Schottentor und von dort über die Freyung, den Platz Am Hof und den Graben zum Stephansdom. Kardinal Schönborn führte die Wallfahrt gemeinsam mit Militärbischof Christian Werner, der in der Bischofskonferenz für die Katholische Männerbewegung zuständig ist. Das Motto der Wallfahrt lautete "Verantwortung in Freiheit". Viele Passanten beobachteten mit Interesse den langen Zug der betenden und singenden Männer aus allen Teilen der Erzdiözese Wien und stellten Fragen nach Hintergrund und Motivation der Prozession. (ende)

Rückfragen & Kontakt:

Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel. 0664/515 52 69
E-Mail: media@edw.or.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | EDW0001