Kooperation und/oder Wettbewerb? Zum Verhältnis von universitärer und außeruniversitärer Forschung.

Wien (OTS) - Bei der heutigen Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung der jährlichen Herbstkonferenz des Österreichischen Wissenschaftsrates warf der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Prof. Jürgen Mittelstraß, einen Blick in die Zukunft der österreichischen Forschungs- und Wissenschaftslandschaft. Die Situation ist ernst.

Die aktuellen Budgetpläne werden die österreichische Wissenschaft und Forschung allgemein vor erhebliche Einschränkungen stellen. "Der Wind im Universitäts- und Wissenschaftssystem ist schärfer geworden, der Wettbewerbsdruck, vor allem im europäischen Hochschulraum, wächst. Will Österreich hier bestehen, bedarf es eines tragfähigen, zukunftsorientierten Gesamtkonzeptes, das mit einem verbindlichen Hochschulfinanzierungspfad verbunden ist. Die Budgetdebatte davon entkoppelt zu führen, ist immens bedrohlich." Diese Bedrohung träfe nicht nur die außeruniversitäre Forschung, der, im Blick auf jüngst bekannt gewordene Budgetmaßnahmen (Streichung der Basisfinanzierung, der Anbahnungs- und Kofinanzierung von EU Projekten) in Teilen die finanzielle Basis entzogen werden soll, sondern auch die Universitäten, die den Kern eines Wissenschaftssystems darstellen.

Es ist die Universität, so Mittelstraß weiter, die den wissenschaftlichen Nachwuchs für sich selbst und für die Forschung im Allgemeinen ausbildet und die für die wachsend Bedeutung inter- und transdisziplinärer Forschung den dafür optimalen Rahmen bietet. Der Wissenschaftsrat empfiehlt hier nachdrücklich, strategisch zu denken, Kooperationen dort zu fördern, wo diese nicht nur der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur dienen, sondern auch der Schwerpunktsetzung und der Profilschärfung der Forschungs- und Bildungseinrichtungen. Dies schließt auch die außeruniversitäre Forschung und die Fachhochschulen mit ein. Budgetknappheit sollte nicht dazu führen, die Forschungs- und Bildungseinrichtungen in ein falsch verstandenes Konkurrenzdenken zu stürzen - etwa nach der Maxime, Wettbewerb ist wichtiger als Kooperation.

Wettbewerb ist dort sinnvoll, wo er der langfristigen Qualitätssicherung und der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit im internationalen Kontext dient, ein Wert an sich ist er nicht.

Die heute beginnende Tagung wird sich der Frage stellen, wie dem österreichischen Forschungs- bzw. Wissenschaftssystem durch Kooperation und/oder Wettbewerb die produktive Weiterentwicklung gesichert und einer ernst zu nehmende Weiterentwicklung gerechter entsprochen werden kann. Ein Blick über den Tellerrand - dargestellt durch innovative Beispiele der Kooperation und des produktiven Wettbewerbs aus der Schweiz, Ungarn und Großbritannien - soll auch und gerade in Zeiten knapper Kassen neue forschungspolitische Wege weisen.

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