Neues Volksblatt: "Aufrechner" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 11. November 2010

Linz (OTS) - In Zeiten wie diesen haben die Aufrechner Hochkonjunktur - auch im Zusammenhang mit dem Linzer Westring. Die Infrastrukturministerin tut es, die Grünen tun es und die Kirche tut es auch. Wenn bei Sozialleistungen der Rotstift angesetzt werde, müsse man wohl bei einem Straßenprojekt wie dem Westring auch finanziell abspecken, so der Tenor.
Solche Vergleiche sind verlockend und plakativ, doch redlich sind sie nicht. Infrastrukturinvestitionen sind langfristig zu sehen, und sie sind vor allem auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die sozialen Leistungen des Staates auch erwirtschaftet werden müssen. Wer in ländlichen Regionen die Arbeit zu den Menschen bringen oder sie dort halten will, muss dafür gewisse Voraussetzungen schaffen. Dieser Verantwortung müssen sich die zuständigen Politiker ebenso stellen wie der sozialen Verantwortung - und in der richtigen Reihenfolge handeln. Anders gesagt: Auch für die Sicherung des Sozialstaates muss zuerst Geld in die Hand genommen werden.
Wenn man daher überhaupt etwas aufrechnen kann, dann ist es die versäumte Zeit: Vertane Zeit bei wichtigen Vorhaben ist verprasstes Geld, dem der staatliche Schuldenberg auch einen Teil seiner Höhe zu verdanken hat.

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