Van der Bellen: Türkischer Botschafter hat Finger auf viele wunde Punkte gelegt

Grüne laden Tezcan zu öffentlicher Debatte ins Parlament

Wien (OTS) - Alexander Van der Bellen, außenpolitischer Sprecher der Grünen, reagiert verwundert über die heftigen Reaktionen, die das Interview des türkischen Botschafters Kadri Ecved Tezcan in der "Presse" ausgelöst hat: "Botschafter Tezcan hat den Finger in erfrischend undiplomatischer Weise auf viele wunde Punkte im Umgang mit türkischen bzw. türkischstämmigen Menschen in Österreich gelegt, wobei er auch seine Landsleute nicht geschont hat. Wenn ich auch nicht alle seine Aussagen unterschreiben würde, so decken sich viele der angesprochenen Kritikpunkte mit meinen Positionen. So sollte Innenministerin Fekter wirklich nicht für Integrationsfragen zuständig sein. Diese Meinung teilt sich Botschafter Tezcan übrigens mit Kardinal Schönborn und Bischof Bünker."

Weiters hält der außenpolitische Sprecher der Grünen die "Einberufung des Botschafters durch Außenminister Spindelegger und sein Beschwerdetelefonat beim türkischen Außenminister Gül für eine völlig überzogene Reaktion. Auf eine inhaltliche Debatte mit diplomatischen Rüge zu reagieren ist völlig unangemessen". Aber immerhin, so Van der Bellen ironisch, "hat Botschafter Tezcan damit erreicht, was ihm bisher nicht gelungen ist, nämlich einen persönlichen Gesprächstermin beim Außenminister zu bekommen." Van der Bellen hält es im Sinne einer "konstruktiven Integrationsdebatte für notwendig, von hysterischen Reaktionen abzusehen, auf der argumentativen Ebene zu bleiben und endlich einen ernsthaften Diskussionsprozess über die Integration der in Österreich lebenden TürkInnen zu starten."

"Meine Kollegin Alev Korun und ich werden daher Botschafter Tezcan einladen, in einer öffentlichen Veranstaltung im Parlament über seine Aussagen zu diskutieren. Öffentlicher Diskurs muss die Antwort auf öffentlich ausgeführte Argumente sein, nicht diplomatische Sanktionen", so Van der Bellen.

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