AKNÖ-Adler: " Armut ist ein gesellschaftliches Problem"

Lebhafte Debatte bei AKNÖ/ÖGB-NÖ-Podiumsdiskussion zu Armut im Waldviertel

Wien (OTS/AKNÖ) - "Armut ist nicht das Problem der Betroffenen. Armut ist ein gesellschaftliches Problem." Mit dieser These hat AKNÖ-Vizepräsidentin Brigitte Adler Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Dietmanns (Bez. Waidhofen/Thaya) breite und vor allem parteiübergreifende Zustimmung gefunden. Adler stützte ihre Analyse auf Daten aus der aktuellen Armutsstudie der AKNÖ. Deren Ergebnisse zeigen die wenig erfreuliche Situation im Waldviertel.

Zuletzt wurden auch die Bürosessel der Firma Jil Silk in den Veranstaltungssaal geschoben. Einige der knapp 150 TeilnehmerInnen nahmen auf den Innenbänken der Fenster Platz. Das Thema "Armut und Working Poor" hatte offenbar den Nerv der WaldviertlerInnen getroffen, es waren deutlich mehr BesucherInnen gekommen als die Veranstalter AKNÖ und ÖGB-NÖ erwartet hatten. Angesichts der Ausgangslage verständlich: Die Löhne und Gehälter im Waldviertel sind niedriger als im Niederösterreichschnitt und mit Ausnahme der Bezirke Zwettl und Horn ist die Arbeitslosigkeit deutlich höher. Im Vorjahr kamen im Bezirk Waidhofen/Thaya etwa auf eine offene Stelle beim AMS mehr 100 BewerberInnen. Und Arbeitslosengeld und Notstandshilfe, die beide vom Arbeitseinkommen abhängen, sind entsprechend niedrig. Zwei Drittel aller Arbeitslosen und so gut wie alle NotstandshilfebezieherInnen liegen mit ihren Sozialleistungen an oder unter der Armutsgefährdungsgrenze. "Und viele Menschen, die Anspruch auf Sozialhilfe haben, stellen aus Scham keinen Antrag. Da müssen wir Aufklärung gegen Vorurteile leisten", sagte Andreas Hitz, Regionalsekretär des ÖGB.

"Budget dreht Armutsspirale weiter"

Umstände, die bald schlimmer werden könnten, zeigte sich AKNÖ-Vizepräsidentin Brigitte Adler überzeugt: "Der Budgetentwurf der Bundesregierung dreht die Armutsspirale weiter", zeigt sie sich überzeugt. "Als Arbeitnehmervertreterin kann ich damit nicht zufrieden sein." Die niederösterreichische Soziallandesrätin Karin Scheele forderte die WirtschaftsvertreterInnen auf, den Sozialstaat nicht infrage zu stellen: "In unserem Land sind 12 Prozent der Menschen armutsgefährdet. Ohne Sozialstaat wären es 33 Prozent."

Armut im Waldviertel hat strukturelle Ursachen

Im Waldviertel kommen strukturelle Probleme dazu. "Uns fehlen die Verkehrsanbindungen. Ohne Autobahn siedeln sich keine Firmen an", sagte etwa Kurt Strohmayer-Dangl, Bürgermeister von Waidhofen/Thaya und Bundesratsabgeordneter. Bundesratskollege Karl Boden mahnte ein besseres öffentliches Verkehrsnetz ein: "Das Waldviertel hat in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel an öffentlicher Infrastruktur verloren. Das verstärkt Bevölkerungsrückgang und Armut. Uns fehlen nachhaltige Investitionen. Die Landesausstellung allein kann es nicht gewesen sein."

Einhelliger Tenor am Podium wie beim Publikum: "Wir müssen uns gemeinsam auf die Füße stellen und laut schreien - als SozialpartnerInnen und parteiübergreifend. Erst dann kriegen wir, was wir brauchen", fasste es Johann Palkovich, Kammerrat der Niederösterreichischen Arbeiterkammer, zusammen.

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