Geschäftsklima in Mittelosteuropa hellt sich zunehmend auf

Geschäftsklima in Mittelosteuropa verbessert sich zum sechsten Mal in Folge / Direktinvestoren blicken zuversichtlich in die Zukunft

Wien (OTS) - Das Geschäftsklima in Mittelosteuropa hat sich im Oktober 2010 gegenüber Juli neuerlich verbessert, zugleich steigen die Konjunkturerwartungen der Direktinvestoren in der Region wieder. So lassen sich die Ergebnisse der jüngsten Erhebung zum Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa auf den Punkt bringen.

Die rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region steuern, attestieren dem Geschäftsklima in Mittelosteuropa neuerlich - nun schon zum sechsten Mal in Folge - eine weitere Aufhellung. Der Geschäftsklima-Indikator steigt um 6 Prozentpunkte und erreicht per Saldo somit erstmals wieder den Wert von Oktober 2008. Zufrieden zeigen sich 40 % der befragten Unternehmen mit ihrer Aktuellen Geschäftslage, nur 17 % melden einen schlechteren Geschäftsgang. Der entsprechende Indikator verbessert sich gegenüber Juli um 6 Prozentpunkte. Wieder deutlich optimistischer geben sich die Direktinvestoren hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung ihrer Niederlassungen in Mittelosteuropa:
Nachdem der Indikator in der Juli-Erhebung noch geringfügig zurückging, blicken die Befragten nun wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Der Saldenwert (positive abzüglich negativer Meldungen) des Indikators Geschäftserwartungen klettert auf 36 Prozentpunkte und erreicht damit den höchsten Wert seit April 2008.

Für die meisten Länder günstige Konjunkturaussichten

Positiv bewerten die Direktinvestoren auch die Konjunkturaussichten in der Region. So klettert der Konjunkturindikator um 7 Prozentpunkte nach oben, nachdem er in der Erhebung im Juli 2010 noch leicht gesunken war. 43 % der Befragten erwarten einen Wirtschaftsaufschwung in den kommenden zwölf Monaten, 49 % gehen davon aus, dass die konjunkturelle Lage unverändert bleiben wird. Auf Länderebene lassen sich allerdings deutliche Unterschiede bezüglich der Konjunkturerwartungen der Direktinvestoren feststellen: Während den Erhebungsteilnehmern zufolge insbesondere die Wirtschaft in Bulgarien und Russland einen Gang höher schalten wird, überwindet die Ukraine die Finanz- und Wirtschaftskrise, welche das Land besonders stark getroffen hat, nur langsam.

Ukraine verpasst Aufschwung

Neben einer stagnierenden Konjunktur erwarten die Direktinvestoren in der Ukraine eine Verschlechterung des künftigen Geschäftsgangs für die Betriebe vor Ort: Der Indikator der Geschäftserwartungen verliert seit der Juli-Erhebung 5 Prozentpunkte. Besonders negativ wird zudem die Aktuelle Geschäftslage bewertet: Die Ukraine ist das einzige Land, in dem sich die Performance der Betriebe aus Sicht der Direktinvestoren im Vergleich zur Erhebung im Juli verschlechtert hat. Zudem weist die Ukraine derzeit als einziges Land einen negativen Saldenwert (positive abzüglich mehr negativer Meldungen) beim Indikator Aktuelle Geschäftslage aus. Dieser hat gegenüber Juli um 8 Prozentpunkte nachgegeben. Die deutliche Abkühlung des Geschäftsklimas in der Ukraine überrascht insofern, als bei der Befragung im Juli noch alle Kernindikatoren für das Land einen positiven Trend auswiesen.

Direktinvestoren in Russland zunehmend euphorisch

Einen starken Aufwärtstrend bestätigen die Direktinvestoren hingegen Ukraines großen Nachbarn Russland. Der Geschäftsklima-Indikator hat seit Juli um 14 Prozentpunkte zugelegt und erreicht nach sechs Erhöhungen in Folge nunmehr im Ländervergleich den höchsten Saldenwert. Allein in Kroatien gibt es eine vergleichbare Aufhellung des Geschäftsklimas (+13 Prozentpunkte), wenngleich die Ausgangsbasis für dieses Land geringer ist. Das herausragende Ergebnis des Geschäftsklima-Indikators in Russland basiert zum Teil auf der guten Aktuellen Geschäftslage der Betriebe. Stärker wird es jedoch von den Erwartungen der Direktinvestoren hinsichtlich der künftigen Entwicklung ihrer Niederlassungen angetrieben: 69 % der Befragten erwarten eine positive Entwicklung ihrer Beteiligungen in den nächsten sechs Monaten, nur 5 % eine Verschlechterung der Situation. Der daraus resultierende Saldenwert von 64 Prozentpunkten ist der höchste in der Gesamtregion MOE.

Günstiges Geschäftsklima für Versicherungen und Business Services

Das Geschäftsklima für die einzelnen Branchen in Mittelosteuropa entwickelt sich unterschiedlich. Am günstigsten ist das Geschäftsklima in der Region derzeit für Versicherungen. Dies ist auf die -- im Branchenvergleich -- größte Zufriedenheit der Versicherungsunternehmen mit der aktuellen Performance ihrer MOE-Beteiligungen zurückzuführen. Der entsprechende Indikator verzeichnet zudem den höchsten Zuwachs. Im Hinblick auf die Zukunft gibt sich die Versicherungsbranche hingegen pessimistischer: Der Indikator Geschäftserwartungen sinkt um 3 Prozentpunkte gegenüber Juli 2010. Das Bankwesen, die zweite Branche im Finanzdienstleistungssektor, erfährt eine gegenläufige Entwicklung zur Versicherungsindustrie: Die Aktuelle Geschäftslage stagniert, die Geschäftserwartungen hingegen steigen. Trotz optimistischen Blicks in die Zukunft sind die Banken die einzige Branche in Mittelosteuropa, in der die Investitionsbereitschaft seit Juli 2010 gesunken ist, per Saldo sogar in den Minusbereich (-2 Prozentpunkte). Neben der Versicherungswirtschaft melden auch die Business Services (Unternehmensberatungen, Rechtsanwälte, EDV-Dienstleister etc.) eine deutliche Aufhellung des Geschäftsklimas. Die Erhebungsteilnehmer aus diesem Sektor haben sehr positive Erwartungen bezüglich der künftigen Entwicklung ihrer Beteiligungen. Mit 45 Prozentpunkten erreicht der Geschäftserwartungen-Indikator den höchsten Saldenwert im Branchenvergleich.

Rückschläge für Immobilienbranche sowie Energie- und Wasserversorgungswirtschaft

Am unteren Ende der Skala - was das Geschäftsklima für die einzelnen Branchen in Mittelosteuropa betrifft - befindet sich der Immobiliensektor. So stufen die Befragten Aktuelle Geschäftslage ihrer Beteiligungen schlechter ein als noch im Juli 2010. Der entsprechende Indikator sinkt um 10 Prozentpunkte auf einen Saldenwert von 0 Prozentpunkten, d.h. positive Einschätzungen zur Aktuellen Geschäftslage halten sich mit den negativen die Waage. Dennoch scheinen die Immobilienunternehmen weiterhin viel Potential in Mittelosteuropa zu sehen. Zum einen erhöht sich die Investitionsbereitschaft der Direktinvestoren: Die Immobilienbranche weist beim Investitions-Indikator mit 33 Prozentpunkten den höchsten Saldenwert unter allen betrachteten Sektoren auf. Zum anderen steigen die Geschäftserwartungen der Befragten aus dem Immobiliensektor gegenüber Juli 2010 im Branchenvergleich am stärksten. Einen Rückschlag in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung muss nach Aussagen der Direktinvestoren die Energie- und Wasserversorgungswirtschaft hinnehmen: Sie ist die einzige Branche, in welcher sich gleichzeitig die Aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen seit der Juli-Erhebung verschlechtert haben -- auch wenn der Rückgang beim Indikator Geschäftserwartungen mit -1 Prozentpunkten nur sehr gering ausfällt. Mit einem Rückgang von 7 Prozentpunkten beklagen die Unternehmen aus der Energie- und Wasserversorgungswirtschaft aber die unter allen Branchen deutlichste Abkühlung des Geschäftsklimas.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa (MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400 Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der Direktinvestoren zur Aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.

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