• 09.11.2010, 09:01:07
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Wildschwein"plage" oder Wildschweinzucht?

VIER PFOTEN: Hausgemachte Probleme endlich an der Wurzel packen

Wien (OTS) - "Wenn immer mehr Wildtiere geschossen werden, weil es
immer mehr gibt, müssen dann noch mehr geschossen werden, damit es
weniger werden?" Diese provokante Frage stellte der Wiener Zoologe
Doz. Dr. Wolfgang Scherzinger bereits 1995 in seinem Buch
"Naturschutz im Wald" (Ulmer). Auch bei jeder Jägertagung ist die
jährlich höhere - seit langem unnatürliche - Wilddichte, die für
einen Dauerkonflikt zwischen Forst und Jagd sorgt, heftigst
diskutiertes Thema.

Es mangelt jedoch am Willen zur Ursachenbekämpfung: denn ein hoher
Wildbestand garantiert dem Jäger erst die gewünschten zahlreichen
Abschüsse. Dazu ist die irreführend als "Hege" bezeichnete Zucht
durch Fütterung nötig - bei Wildschweinen mit tonnenweise
fruchbarkeitssteigerndem Mais. Damit die Revierinvestitionen sich
rentieren, verkauft er immer öfter Abschüsse an betuchte Herrschaften
oder lädt diese ein, um im Gegenzug gute Geschäfte zu machen. "Und
die meist nicht gerade treffsicheren Hobbyjäger schießen auf alles,
was ihnen vor die Flinte gestellt oder getrieben wird", so VIER
PFOTEN-Geschäftsführerin Johanna Stadler. Denn "auf alles" bedeutet
auch Muttertiere und sogar Leittiere, wodurch zusätzlich die
Fortpflanzung angekurbelt wird, weil die führungslosen Jungtiere
dadurch schneller ins geschlechtsreife Alter kommen.

Erhöhte Populationsdichten verursacht die (auch bäuerliche)
Jägerschaft somit eindeutig selbst. Unverständlich, wenn also sogar
die Landwirtschaftskammer auf orf.at fordert, dass auch Leitbachen
bejagt werden dürfen. "Werde die Muttersau erlegt, zerfalle der
Familienverband, und die Tiere würden sich weiter zerstreuen. Diese
Tiere seien dann noch schwerer zu jagen", erkennt immerhin
Bezirksjägermeister Elmar Müller (auf
http://orf.at/stories/2023251/2023258/) einen Teil des Problems.

Eine Einbremsung der Schießwut ist hier also längst überfällig,
denn es gibt wegen der Jagd ohnehin schon lange keine natürlich
gewachsenen, gesunden Rottenstrukturen mit allen Altersstufen mehr.
"Jäger wissen einfach nicht, was sie damit anrichten oder es ist
ihnen egal", ist Stadler erzürnt. "Bei so beeindruckenden Tieren wie
Wildschweinen von einer Plage zu sprechen, spricht auch für den
Egoismus der Jäger, die mit solchen Meldungen die Aufhebung
sämtlicher Tötungsbeschränkungen erreichen wollen." In
Niederösterreich hat man damit bereits vor Jahren erreicht,
Wildschweine (neben u.a. Enten, Gänsen und Füchsen und sogar den
bedrohten Auerhähnen!) auch nachts gnadenlos verfolgen zu dürfen.

Wildschweine sind übrigens wahrscheinlich intelligenter als Hunde.
Sie sind normalerweise tagaktiv und streifen friedlich auf der Suche
nach Futter durch den Wald. Die Jagd hat sie vielerorts in die
Nachtaktivität getrieben und die massive Fütterung führt zu
regelrechter Massentierhaltung im Wald, was an den Böden im Umkreis
der Futterplätze leicht zu erkennen ist.

Weitere Infos zu Auswüchsen der Jagd auf vier-pfoten.at unter
Wissen/Jagd

Rückfragehinweis:

Johanna Stadler
   Geschäftsführung
   Tel: +43-1-545 50 20-24
   Mobile: +43 664 122 1051
   Fax: +43 1 545 50 20-99
   johanna.stadler@vier-pfoten.org

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