Leitartikel der Tiroler Tageszeitung Von Peter Nindler "Der Piz Val Gronda ist die Spitze Tirols"

Ausgabe vom 7. November - Der Streit um die Erschließung des Piz Val Gronda offenbart die Schwächen im Tiroler Naturschutz

Innsbruck (OTS) - Die Politik muss endlich einmal sagen, was möglich ist und was nicht. Und nicht Gesetze dehnen und Vorhaben versprechen.

Der Streit um die Erschließung des Piz Val Gronda wirft einmal mehr eine Grundsatzfrage auf, die bis heute in Tirol nicht beantwortet ist: trotz aller Nachdenkpausen und bestehender Seilbahngrundsätze. Was ist möglich und was nicht? Denn oft werden Naturschutzverordnungen und Gesetze von der Regierung bzw. dem Landtag vollmundig erlassen und mit gleicher Vehemenz sofort wieder in Frage gestellt. Und was einmal ein Grundsatz war, wird im Behördenverfahren vielfach bis zum Zerreißen gedehnt wie beim Notweg am Pitztaler Gletscher.

Wohl wissend, dass die Kalkkögel in den Stubaier Alpen ein Ruhegebiet sind, wird seit Monaten ein Zusammenschluss zwischen Axamer Lizum und Schlick 2000 getrommelt. Auf welcher Basis? Wird das Ruhegebiet einfach ignoriert, verschoben oder wieder aufgelassen? Schon zwei Mal haben die Vertreter der Silvretta Bergbahnen versucht, eine Seilbahn auf den Piz Val Gronda zu errichten. Sie sind aus Naturschutzgründen gescheitert. Der dritte Versuch ist aus der Sicht des Landes ebenfalls zum Scheitern verurteilt: nicht wegen der seltenen Pflanzenarten, sondern weil sich Österreich verpflichtet hat, diese zu schützen.

Vordergründig wird viel geschützt, manchmal auch viel zu viel. Doch die Politik sollte endlich einmal den Mut haben, klare Schutzkriterien festzulegen, die im Behördenverfahren zu berücksichtigen sind. Sie kann auch aus ihrer Sicht zu weit gehende Naturschutzverordnungen zurücknehmen. Aber Klarheit ist gefragt, damit endlich das überbordende Gutachterwesen eingedämmt wird und sich Diskussionen wie beim Piz Val Gronda nicht über 25 Jahre ziehen.

Wirtschaft und Naturschutz benötigen klare politische Entscheidung und Vorgaben - keine Versprechungen oder Absichtserklärungen.

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