Von Musik bis Medizin: Mailath überreicht Preise der Stadt Wien für 2010

Wien (OTS) - Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny überreichte am Freitag, 5. November, im Wiener Rathaus die Preise der Stadt Wien und den Ernst-Krenek-Preis für das Jahr 2010 an herausragende Persönlichkeiten des Kultur- und Wissenschaftslebens:
"Die PreisträgerInnen lesen sich wie das Who ist Who der Kulturgeschichte", so Mailath über die Preise, die seit 1947 verliehen werden. "Dass Wien eine so lebendige und kulturell vielfältige Stadt ist, ist nicht zuletzt auch ein Verdienst der heute Geehrten. Sie stehen auch für die vielen neuen Entwicklungen und Ideen in Kunst und Wissenschaft, die in den letzten zehn Jahren in Wien entstanden sind".
Die anschließende Lesung aus Thomas Bernhards "Meine Preise", die in typisch Bernhardscher Manier auf die österreichische Ehrungskultur verwies, fand beim Publikum großen Anklang.
Brigitte Rigele, Direktorin des Stadt- und Landesarchivs, hielt die Laudationes auf die PreisträgerIn:

- Richard Dünser
Komponist
Ernst-Krenek-Preisträger 2010
Der Ernst-Krenek-Preis wurde 1985 anlässlich des 85. Geburtstags seines Namensgebers ins Leben gerufen. Richard Dünser erhält heuer den Ernst-Krenek-Preis für seine Oper "Radek". Das Werk wurde 2006 bei den Bregenzer Festspielen uraufgeführt, 2007 folgte die Premiere in Wien.
Dünser dankte im Rahmen der Verleihung einer Reihe von Personen, insbesondere seinem Lehrer Francis Burt, ohne dessen Begeisterung und Unterstützung die Oper Radek nicht geschrieben worden wäre.

- Arch. Univ.-Prof. Dr. Carl Pruscha
em. Rektor der Akademie der bildenden Künste, Architekt
Preis der Stadt Wien für Architektur
Auf seiner stetigen Suche nach Neuem wurde Carl Pruscha in der Ferne fündig: Er orientierte sich an asiatischer und afrikanischer Kultur und lebte zehn Jahre in Nepal, wo er als UNO- und UNESCO-Berater der nepalesischen Regierung für Raumplanung tätig war. In Wien überzeugte er unter anderen mit dem Umbau des Semperdepots und der Planung der Siedlung Biberhaufenweg, die als Pilotprojekt des neuen Wiener Wohnbaus gilt.

- Herwig Kempinger
Maler, Foto-, Film- und Installationskünstler
Preis der Stadt Wien für bildende Kunst
Die Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und Wirklichkeit kennzeichnet das Werk Herwig Kempingers, das in Bildern, Fotografien, Filmen und Installationen Ausdruck findet.

- Marko Lulic
Bildender Künstler
Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst
Installation, Skulptur, Video, Film, Fotografie, Zeichnung, Malerei, Collage und Plakat sind Ausdrucksmittel für Marko Lulic. In seinen Arbeiten geht es Marko Lulic um die Beziehung des künstlerischen Ichs zum Raum, vor allem zum öffentlichen Raum, sichtbar etwa an "The Moderns" (Vienna), worin er ein neues Stadtbild von Wien schuf, indem er den Fokus auf die Bauten der österreichischen Nachkriegsmoderne setzte und alle historischen Gebäude dabei ausblendete.

- Mara Mattuschka
Künstlerin mit Schwerpunkt Performance, Film und Malerei
Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst
Im Alter von 16 Jahren war die Bulgarin Mara Mattuschka nach Wien gekommen. Hier studierte sie Ethnologie und Sprachwissenschaft sowie ab 1983 Malerei und Animationsfilm bei Maria Lassnig. Heute gilt die vielseitig begabte Künstlerin als originellste österreichische Filmregisseurin und Performance-Künstlerin, die sie als Madame Ping-Pong oder Mimi Minus gestaltet. Sie malt, singt und ihre - meist schwarz-weißen - Kurzfilme werden auf den bedeutenden Filmfestivals der Welt gezeigt.

- Walter Schmögner
Malerei, Grafik, Illustrationen
Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst
Illustrationen von Kinderbüchern, großformatige, oft farbstarke Gemälde, filigrane Skulpturen, ziselierte Striche und ausgeprägte Farbstimmungen zeigen die Spannweite des künstlerischen Schaffens Walter Schmögners. Die Tendenz zu Witz, grotesker und skurriler Überzeichnung findet sich neben kafkaesken Szenen zeitloser Gültigkeit.

- Ferdinand Schmatz
Schriftsteller, Literaturwissenschaftler
Preis der Stadt Wien für Literatur
Ferdinand Schmatz wird mit seinen poetischen Werken an die Seite jener gestellt, die die österreichische Literatur des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägten, etwa Ernst Jandl, H. C. Artmann oder Reinhard Priessnitz, dessen Werke er vorbildhaft edierte. Prägend für den Literaten Ferdinand Schmatz war zweifellos der Wiener Aktionismus und die Wiener Schule, mit der er sich auch literaturtheoretisch beschäftigte.

- Michael Jarrell
Musiker
Preis der Stadt Wien für Musik
Michael Jarrell ist einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten der Gegenwart, er wird auch der "Meister der schwebenden Klänge" genannt. Sein Werk verfügt über eine überaus beeindruckende Spannbreite und verbindet die verschiedensten Genres: Der Bogen reicht von der klassischen bis zur elektronischen Musik. Seine internationale Karriere führte ihn unter anderem in die Vereinigten Staaten, nach Frankreich, Italien, England und Finnland.

- Michael Schrott
ORF-Journalist und Moderator
Preis der Stadt Wien für Publizistik
Untypisch für einen ORF-Journalisten begann er seine Kariere beim Fernsehen und wechselte Anfang der 70er Jahre zu Ö3 und dem Radio-Magazin Musikbox. Seine Arbeitsschwerpunkte setzte er in gesellschaftspolitische Bereiche: Jugendpolitik, ethnische Minderheiten und neue soziale Bewegungen.
Berühmt wurde er allerdings als einer der Mitgründer der Ö1 Serie "Diagonal - Radio für Zeitgenossen", dessen Leiter er heute ist, dank ausgezeichnet recherchierter und wunderbar gestalteter Beiträge. Legendär sind seine Städteporträts und natürlich die grandiose Italienische Reise - Goethe 1786 - Schrott 1986.

- Mag. Viktor Billek
Erwachsenenbildner
Preis der Stadt Wien für Volksbildung
Viktor Billek hat seit 1975 mit ungeheurem Elan den Ausbau der Volkshochschule Stöbergasse zur größten Volkshochschule Österreichs, das Polycollege, mit derzeit rund 3000 Angeboten vorangetrieben hat. Angebote für den zweiten Bildungsweg, lebensbegleitendes Lernen, Kurse für TeilnehmerInnen mit Behinderungen führen zu ständigen Erweiterungen im Angebot und zeigen sein bemerkenswertes Engagement. Nicht zu vergessen die Gründungen des Filmverleihs Polyfilm und das Filmcasino, die auf Billeks Initiative zurückgehen.

- Univ.-Prof. Dr. Alfred Springer
Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapeut, Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Suchtforschung
Preis der Stadt Wien für Geistes- und Sozialwissenschaften
Alfred Springer gilt als Pionier der österreichischen Suchtforschung und leitete von 1976 bis 2009 das Ludwig-Boltzmann-Institut für Suchtforschung. Viele bedeutende Fachpublikationen zeugen von der vielfältigen wissenschaftlichen Leistung des Humanisten Springer. Er verfasste über Jahrzehnte zahlreiche Bücher mit kulturwissenschaftlichem Schwerpunkt über Drogen und Suchtmittel, Psychoanalyse und Sexualwissenschaft. Ausführlich beschäftigte er sich mit Suchtprävention in der Schule. Für Springer ist Präventionsarbeit ein gesellschaftspolitischer Auftrag. Sein Interesse gilt den Ursachen und den Hintergründen, den verschiedenen Mustern des Drogenmissbrauchs mit Schwerpunkt jugendlicher Drogenabhängiger.

- Univ.-Prof. Dr. Herbert Budka
Vorstand Klinisches Institut für Neurologie
Preis der Stadt Wien für Medizinische Wissenschaften
Als dreifacher Facharzt - Neurologie und Psychiatrie, Neuropathologie und Neurobiologie -, Wissenschafter des Jahres 1998, ist Budka seit Jahren führend in Lehre, internationaler Forschung und erfolgreich in der Förderung von Forschung tätig. Eingebunden in internationale Gremien und Kommissionen, schafft er es dennoch sein zentrales Anliegen - die Bedeutung der Neurowissenschaften auch für Laien verständlich weiterzugeben und zu vermitteln. Mit großem sozialen Einsatz setzte er sich auch für die Betreuung von Kriegs-und Folteropfern ein und gründete die "Ärztegruppe Wien" von Amnesty International.

- Univ.-Prof. Dr. Karl Sigmund
Mathematiker
Preis der Stadt Wien für Natur- und Technische Wissenschaften
Karl Sigmund ist Universitätsprofessor für Mathematik an der Universität Wien und wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Das Interesse dieses vielseitigen Denkers geht seit einiger Zeit über den an sich weiten Bereich der Mathematik hinaus und er ist gemeinsam mit WirtschaftswissenschafterInnen und EvolotionsbiologInnen in der evolutionären Spieltheorie interdisziplinär unterwegs. Großartig sind seine spieltheoretischen Modelle zu Trittbrettfahrern und Egoisten der Gesellschaft, die sich überaus spannend lesen. Sein zweiter Leistungsschwerpunkt liegt auf der Geschichte der Mathematik, der er sich mit besonderem Engagement widmet. In diesem Bereich liegt sein Interesse vor allem beim Wiener Kreis, wo er als Mitherausgeber der mathematischen Arbeiten von Hans Hahn und Karl Menger tätig ist.

Für den Inhalt verantwortlich: Renate Rapf

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