Neues Volksblatt: "Eine Schande" (Von Markus Ebert)

Ausgabe vom 6. November 2010

Linz (OTS) - Die Katholische Aktion OÖ hat gestern Abend mit einem Lichtblickemarsch durch die Linzer Innenstadt ihre Stimme zu Budget, Integration und Menschenwürde erhoben. Eingefordert wurde dabei unter anderem auch der "respektvolle Umgang mit Fremden".
Das ist ein ehrenwertes Anliegen - und sollte uneingeschränkt für alle gelten. Tatsächlich hat sich diese Woche gezeigt, dass der Einsatz für integrierte Menschen, die von Abschiebung betroffen oder bedroht sind, auch eine üble Kehrseite hat. Der Verein "Purple Sheep", der die Komani-Zwillinge betreut - das sind jene Kinder, die mit ihrem Vater abgeschoben worden waren und wieder nach Österreich kommen konnten -, hat die Medien zum ersten Schultag der Mädchen eingeladen. Weil offenbar das Interesse nicht sehr groß war (vielleicht gibt es doch noch eine mediale Schamgrenze), setzte der Verein nach: "Jene, die den Frühtermin versäumt haben, können die Kinder nach Schulschluss gerne kurz interviewen". Was hier initiiert werden sollte, ist mehr als geschmacklos. Doch siehe da: der Aufschrei der gutmenschlichen Vereinigungen blieb aus, die üblichen Empörer fanden kein Wort des Bedauerns über diesen respektlosen Umgang mit Kindern. Auch das ist eine Schande.

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