Land Niederösterreich streicht Physiotherapie in mehr als 30 Landes-Pflegeheimen

Physio Austria kritisiert Sparkurs auf dem Rücken Pflegebedürftiger

Wien (OTS) - Viele PatientInnen in NÖ Landespflegeheimen werden künftig auf wichtige Therapien (Physiotherapie, Ergotherapie) verzichten müssen. Denn die NÖ Landesregierung plant, sämtliche Physio- und ErgotherapeutInnen in ihren Landespflegheimen abzubauen. Ausgenommen ist davon nur eine Handvoll so genannter Schwerpunktheime, in denen PflegepatientInnen nur übergangsweise aufgenommen werden.

LangzeitpflegepatientInnen, die in Pflegeheimen wohnen, müssten in Zukunft freiberufliche PhysiotherapeutInnen für ihre Behandlungen anfordern. Das be-trifft schätzungsweise 4.000 bis 5.000 Pflegebedürftige. Da es in Niederösterreich keine Krankenkassenverträge mit PhysiotherapeutInnen gibt, müssten die PflegeheimbewohnerInnen ihre Therapien selbst bezahlen und würden dann nur einen Teil der Kosten rückerstattet bekommen.

"In der Praxis bedeutet das, dass ein Großteil der Betroffenen keine Therapien mehr bekommt" warnt Ute Eberl, MSc, Physio Austria-Koordinatorin für den extramuralen Bereich. Denn PflegeheimbewohnerInnen verfügen nur über ein geringes "Taschengeld", das nicht einmal für den Selbstbehalt der Therapie-kosten reicht. Zurzeit steht gut jede/r zweite PflegeheimbewohnerIn in physio-therapeutischer Behandlung.

Physiotherapie ist wesentliche Säule der Behandlung in der Geriatrie

HeimbewohnerInnen, die auf Physiotherapie angewiesen sind, sind meist in ihrer Grundmobilität auf Hilfestellung und therapeutischen Einsatz angewiesen (Gangtraining, Bewegungstherapie...), weil sie ansonsten von Bettlägerigkeit bedroht sind, was im Verlauf zu Folgeerkrankungen wie Dekubitus, Pneumonie oder durch Bewegungsmangel bedingte Schmerzzustände und Bewegungseinschränkungen führt. Physiotherapie muss Teil der Routineversorgung in einem Pflegeheim sein, da sonst keine optimale Selbständigkeit und Schmerzfreiheit von PatientInnen gewährleistet werden kann.

"Durch Physiotherapie wird die Selbständigkeit von geriatrischen PatientInnen erhalten und gefördert, was eine gleichzeitige Kostenreduktion von Pflegeaufwand und geringere medizinisch-invasive Eingriffe bedeutet", erklärt Eberl.

Selbst für jene PatientInnen, für deren physiotherapeutische Behandlung zum Beispiel Angehörige aufkommen, bedeutet die Auslagerung der Therapie eine massive Verschlechterung. Derzeit orientieren sich die Maßnahmen an den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort. Bei Bedarf kann durch das ständige Vorhandensein einer/s TherapeutIn sofort auf eine akute Problematik eingegangen werden. Bei geringer Belastbarkeit der betreuten Person kann die Therapie unterbrochen und zu einem späteren Zeitpunkt fortgeführt werden (dies ist eine häufige Vorgehensweise im geriatrischen Bereich!). Durch das Therapieangebot vor Ort kann auch auf Schwierigkeiten der betreuenden Pflegepersonen eingegangen, das Therapieangebot auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmt, sowie im geriatrischen Team kommuniziert werden.

Absurde Arbeitsplatz-Politik

Derzeit sind 50 PhysiotherapeutInnen in den NÖ Landespflegeheimen beschäftigt. Rund 20 Prozent haben befristete Arbeitsverträge, die auslaufen. Ein kleiner Teil könnte in Schwerpunktheimen oder Landeskliniken unterkommen, der überwiegende Rest wäre gezwungen, freiberuflich tätig zu sein.

Dies ist insofern absurd, als erst kürzlich an den Fachhochschulen St. Pölten und Krems 30 neue Ausbildungsplätze für Physiotherapie geschaffen wurden und nun deren zukünftige Arbeitsplätze drastisch gekürzt werden sollen. Womit - nebenbei bemerkt - auch die Praktikumsplätze für die Physiotherapie-StudentInnen verloren gehen.

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