Leitartikel der Tiroler Tageszeitung von ALOIS VAHRNER: "Geldflut und immer neue Blasen"

Ausgabe vom 5. November 2010

Wien (OTS) - Der Wirbel im Vorfeld war enorm, die Reaktion der Finanzmärkte dann eher müde, als die Fed die Katze tatsächlich aus dem Sack ließ: Zur Stützung der schwächelnden Konjunktur kauft die US-Notenbank zusätzliche Staatsanleihen im Wert von 600 Mrd. Dollar. Damit sollen die Zinsen auf Hypotheken und andere Schulden weiter nach unten gedrückt werden.

Es handelt sich um einen Eingriff in die Wirtschaft ohne historische Vorläufer. Normalerweise senkt eine Notenbank bei einer Flaute die Zinsen, um die Kreditnachfrage und die Wirtschaft anzukurbeln. Das geht in den USA nicht mehr, zumal es seit Dezember 2008 praktisch Nullzinsen gibt. Daher warf die Fed ihre Geldpresse noch stärker an und flutet die Märkte. Während der Krise hatte die Fed ihre Bilanzsumme bereits auf 2300 Mrd. Dollar aufgeblasen - so viel wie sämtliche Steuereinnahmen der USA.

Abgesehen davon, dass seit der Krise mit immer noch unvorstellbareren Phantasiesummen, oft genug auch nur virtuellen, hantiert wird: Hier werden neue Risiken aufgetürmt, die Gefahr neuer Finanzblasen wird größer und größer. Probleme mit dem Anwerfen der Geldpresse lösen zu wollen, ist für namhafte Ökonomen mit einem Schneeballsystem vergleichbar. Thomas Hoenig, Präsident der Federal Reserve Bank of Kansas City, spricht gar von einem "Pakt mit dem Teufel".

Hier werden jedenfalls Schecks auf die Zukunft ausgestellt, die wir alle irgendwann begleichen müssen. Und wie beim künstlich niedrig gehaltenen chinesischen Yuan soll hier der US-Wirtschaft über einen schwächeren Dollar geholfen werden - was ja nur zu neuen Turbulenzen auf den Märkten führen kann, weil sich Europa und andere wehren müssen.

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