"KURIER"-Kommentar von Helmut Brandstätter "Über Liebe und Hass"

Einzelschicksale bewegen uns alle. Und sie sollten uns zum Nachdenken bringen.

Wien (OTS) - Der 8-jährige Fabian wurde vor fünf Monaten auf einem Zebrastreifen getötet. Der Fahrer muss drei Monate unbedingt ins Gefängnis. Das Leid der Eltern kann sich niemand vorstellen, Hass wäre verständlich. Aber die Mutter ist zu bewundern, wenn sie noch vor dem Prozess sagt, dass sie nicht auf ein strenges Gericht hoffe. "Ich habe keine Genugtuung, wenn ein anderer ein schweres Leben hat", sagte sie.
Eine sechsköpfige Familie wird aus einem Wiener Gemeindebau delogiert, weil eines der Kinder viel Lärm macht. Der 16-Jährige ist Autist, die Familie kommt aus der Türkei. Vielleicht hätten sich die Nachbarn weniger beschwert, wenn der Bursch auf Deutsch gebrüllt hätte.
Dass die Politik unser Leben besser oder gar gerechter macht, glaubt niemand mehr, also tun wir's doch selbst. Beamte könnten nicht nur auf Gesetzestexte, sondern auch auf ihr Herz hören. Nachbarn sollten einmal darüber nachdenken, was es bedeutet, wenn ein Kind besonders viel Aufmerksamkeit und Liebe braucht.
Andreas Salcher schreibt in seinem neuen Buch, dass sich jeder in seiner letzten Stunde fragt, ob er die Welt ein bisschen besser gemacht hat. Man muss ja nicht so lange warten.

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