Leitlinien - Antwort auf APA0256 2010-11-03/12:02

Wien (OTS) - Eigentlich ist es eine neue Qualität, dass wir mit einem derartigen Ausfall unseres Ärztekritikers HR Dr. Bachinger konfrontiert sind. Den Inhalt bezüglich Leitlinien und Ärztekritik zu kommentieren ist schwierig, da seine anscheinend emotional verzerrte Sicht ärztlichen Handelns ein Bemühen um Sachlichkeit auf eine harte Probe stellt.
Eine leitliniengeführte Medizin wäre nur dann nachvollziehbar, wenn es dazupassend leitliniengetreu lebende Patienten gäbe!

Gott sei Dank gibt es diesen "Standardmenschen" nicht und jeder einzelne Patient benötigt eine für ihn maßgeschneiderte Therapie. Leitlinien in der Medizin stoßen sehr bald an Grenzen, wenn man sieht, dass gleichartige Therapie nicht gleichen Therapieerfolg verursacht. Als erfahrener Arzt weiß ich, wovon ich spreche. Das Prinzip der Reproduzierbarkeit und der absoluten Actio/Reactio-Korrelation gibt es nicht einmal in den sogenannten exakten Wissenschaften und schon gar nicht in der Medizin. Was bei einem Patienten hilft, kann beim anderen unter den gleichen Bedingungen kontraproduktiv sein.

Eine unkritische technokratische Weltanschauung hat bereits Generationen von Menschen das Leben zur Hölle gemacht und ist schließlich von der Geschichte entsorgt worden. Offensichtlich scheint die Lernfähigkeit aus der jüngsten Vergangenheit doch begrenzt zu sein. Solches Gedankengut bei hohen Staatsfunktionären ist befremdlich!

Bezüglich Dr. Schelling irritiert mich das Verlangen nach "einigermaßen nachvollziehbarem Handeln" bei den Vertragspartnern der Sozialversicherung. Das erweckt den Eindruck, als ob ärztliches Handeln bisher aus okkulten Quellen erfolgte.
Die Ärzteschaft weiß sehr gut selbst, wo es in der Medizin entlang geht. Wenn man Juristen und Betriebswirtschaftlern Kompetenz im eigenen Bereich zugesteht, wird man das gleiche Recht den Ärzten nicht verwehren können. Diese Angriffe auf die Ärzteschaft vergiften das Klima nur unnötig in Zeiten, wie diesen.

Im Übrigen darf ich daran erinnern, dass die erwähnten Gelder der Sozialversicherung eigentlich die Gelder der Mitglieder der Solidargemeinschaft sind. Ich glaube schon, dass sich diese Mitglieder gegen ein leitliniendefiniertes Selbstbild als Folge der Leitlinienmedizin verwehren würden!

Die beiden Herren sollen doch gleich sagen, was sie wollen - das wäre doch viel einfacher, als das Schauspiel, das hier gegeben wird:
sie wollen erstklassige ärztliche Leistung zum Nulltarif. Leider, leider wird's das nicht spielen!

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MR. Dr. WERNER Wolfgang
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