Küberl: "Armutsbekämpfung ist Elchtest für Staat und Gesellschaft"

Franz Küberl wurde als Präsident der Caritas Österreich von der Caritas-Direktorenkonferenz einstimmig wiedergewählt

Wien (OTS) - Franz Küberl wurde nun im Rahmen der Caritas-Direktorenkonferenz (von Mittwoch bis Freitag in Graz) als Präsident der Caritas Österreich für die nächsten drei Jahre einstimmig wiedergewählt. Küberl ist seit 1994 Direktor der Caritas Graz-Seckau und seit 1995 auch Präsident der Caritas Österreich. Die Funktion des Caritas-Präsidenten übt Küberl ehrenamtlich aus.

Zur Arbeit der Caritas sagt Küberl: "Wenn die Hilfe der Caritas wächst, wächst auch die Kirche. Neben der praktischen Arbeit geht es aber auch darum, in aktuellen Debatten, etwa über Zuwanderung oder Bettler, klar Stellung zu beziehen." Seine persönliche Motivation für seinen Einsatz in den vergangenen und den kommenden Jahren beschreibt Küberl so: "Ich möchte den benachteiligten und notleidenden Menschen, für die die Caritas da ist, jeden Tag in die Augen schauen können."

Zu den wichtigsten Herausforderungen der Zukunft zählt der Caritas-Präsident die nationale und internationale Armutsbekämpfung, die Sicherung einer menschenwürdigen Betreuung und Pflege für alle Menschen sowie ein zukunftsfähiges Bildungssystem: "Die Armutsbekämpfung ist der Elchtest für Staat und Gesellschaft."

Besonders die Kürzung des Budgets der staatlichen Entwicklungshilfeagentur (ADA), und damit der Gelder, die zur direkten Armutsbekämpfung bestimmt sind, hält Küberl für einen "Skandal, der zum Himmel schreit": "Bis 2014 werden auf Kosten der Ärmsten insgesamt 83 Millionen Euro gekürzt. Im Jahr 2014 selbst ist das Budget (derzeit 98 Millionen Euro) um ein Drittel kleiner als heute. Damit verabschiedet sich eines der reichsten Länder entgegen immer wieder gemachter Versprechungen praktisch aus der Entwicklungshilfe", ist Küberl alarmiert.

Auf Österreich-Ebene sei die bedarfsorientierte Mindestsicherung ein erster Schritt, um das Land armutsfester zu machen. Hier brauche es nun aber eine rasche Einführung in den noch fehlenden Bundesländern, so Küberl. Derzeit ist die Mindestsicherung nur in Wien, Niederösterreich und Salzburg umgesetzt. Ausserdem müssten, so Küberl, vor allem Wohnkosten und unvorhersehbare Sonderausgaben zusätzlich gewährt werden, denn: "Von 744 Euro zwölf mal im Jahr kann keiner größere Reparaturen oder Spezialnahrung für ein krankes Kind bezahlen."

Um Menschen in Not zu unterstützen bittet Küberl im Rahmen der derzeitigen Caritas-Inlandshilfesammlung auch um die Mithilfe der österreichischen Bevölkerung. (PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort:
Inlandshilfe).

Um eine menschenwürdige Betreuung und Pflege für alle sicherzustellen forderte Küberl erneut die Schaffung eines Pflegefonds. Dieser müsse folgende Elemente enthalten: eine solidarische Finanzierung, einen Rechtsanspruch auf Pflegeleistungen, eine eCard für die Pflege sowie eine realitätsgerechte Pflegebedarfseinstufung. Küberl: "Bevor die notwendigen Strukturreformen in der Pflege umgesetzt sind, darf man auch nicht bei den betroffenen Menschen den Sparstift ansetzen. Es kann nicht sein, dass in Österreich laut Rechnungshof beispielsweise 280 Stellen mit Pflegegeldauszahlungen betraut sind und die Höhe der Pflegegeldstufe außerdem davon abhängt, wo man wohnt."

Dringenden Handlungsbedarf ortet der Caritas-Präsident auch im österreichischen Bildungssystem: "Wir verspielen die Chancen der Kinder und Jugend unseres Landes, wenn wir nicht rasch die notwendigen Reformen im Bildungsbereich umsetzen: Gemeinsame Mittelschule der Zehn- bis Fünfzehnjährigen, kostenloser Förderunterricht, Qualitätssteigerung im Kindergarten und eine bessere Lehrerausbildung."

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