Ergebnisse der Nachwahlanalyse des Österreichischen Instituts für Jugendkulturforschung unter Jung- und ErstwählerInnen

SPÖ gelang es am besten junge WählerInnen anzusprechen. Größte Zustimmung für eine Rot-Grüne-Zusammenarbeit.

Wien (OTS) - Über 35% der 16- bis 19-jährigen Jung- und ErstwählerInnen haben bei den Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen die SPÖ gewählt, 23,6% wählten die Grünen, 23,1% die FPÖ. Während die SPÖ sowohl bei SchülerInnen und Studierenden als auch bei Lehrlingen und Berufstätigen relativ große Zustimmung erreichte, sind die Grünen ausschließlich die Partei der SchülerInnen und Studierenden geblieben. Die FPÖ kann in erster Linie bei Lehrlingen und Berufstätigen punkten. Nahezu ohne Zustimmung bei den 16- bis 19-jährigen bleibt die ÖVP. Mit lediglich 7% WählerInnenanteil ist sie im Jungwählersegment keine Volkspartei mehr. Nicht einmal in ihrer traditionellen Domäne, den bildungsnahen Schichten, gelang es der ÖVP WählerInnen zu mobilisieren.

Die beste Koalition ist für über 40% der jungen WienerInnen die Koalition zwischen SPÖ und den Grünen. Für eine Zusammenarbeit von SPÖ und FPÖ sprechen sich rund 24% der Jung- und ErstwählerInnen aus, für eine Zusammenarbeit der SPÖ mit der ÖVP lediglich 16,5%. Besonders hohe Zustimmung findet die Koalition zwischen SPÖ und den Grünen unter SchülerInnen und Studierenden und bei jungen Frauen, die geringste Zustimmung bei Lehrlingen und Berufstätigen.
Teilweise erschütternde Ergebnisse bringen Fragen zu den Themenfeldern Antisemitismus, Sexismus und Rechtsradikalismus, besonders unter Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund. So sind 45% (Gesamtstichprobe: 15,5%) dieser Jugendlichen der Auffassung, dass die Juden noch immer zu viel Einfluss auf die Weltwirtschaft haben, weitere 37,9% (Gesamtstichprobe: 14,4%) glauben, dass Hitler auch sehr viel Gutes für die Menschen getan hat und für 35% (Gesamtstichprobe: 22%) von ihnen ist Homosexualität unnatürlich. Damit liegen die Jugendlichen mit türkischem/arabischem Migrationshintergrund deutlich über den Quoten der autochthonen ÖsterreicherInnen und der ZuwandererInnen aus anderen Ländern. Abschließend dazu der Studienleiter Bernhard Heinzlmaier: "Auch unter den Wiener Jugendlichen ist die Verbreitung von sexistischen, antisemitischen und rechtsradikalen Einstellungen noch immer recht hoch. Es besteht also kein Grund, jetzt mit dem Finger auf die MigrantInnen zu zeigen, wenn dort einzelne Ausprägungen noch höher sind. Vielmehr geht es darum, das Problem zu sehen, offen darüber zu diskutieren und etwas dagegen zu tun."

Studiensteckbrief: Fragebogenerhebung, Befragungszeitraum 12. bis 18. Oktober 2010, Stichprobengröße: n=400, zusätzliche Kontrollgruppe unter Jugendlichen mit türkischen/arabischen Migrationshintergrund n=103.

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und weitere Infos zur Studie: Institut für Jugendkulturforschung,
Tel.: 01/5326795, www.jugendkultur.at, Studienleitung: Bernhard
Heinzlmaier. Feldleitung: Antonia Baumgarten.

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