WirtschaftsBlatt-Leitartikel: In Wien heißt es jetzt Ärmel hochkrempeln - von Michael Vorauer

Den Unternehmen können Farbenspiele eigentlich egal sein

Wien (OTS) - Der Wiener Wohlfühl-Bürgermeister flirtet also ein bisserl mit den Grünen. Ob Michael Häupl ernsthaft eine Regierungsbeteiligung der vormaligen Öko-Partei anstrebt oder nur die ÖVP sekkieren will, sei dahingestellt. Für den SP-Granden hätte die rot-grüne Koalition sicher Charme. Vor allem könnte er das leidige Integrationsthema ganz relaxed an die Juniorpartner delegieren:
Sollen die sich blutige Nasen von den Blauen holen, könnte Häupl sich denken.

Für die Wiener Wirtschaft wäre Rot-Grün aber sicher kein so großer Grund zur Freude. Freilich haben sich Grün-Politiker vor der Wahl in Sachen Wirtschaft durchaus ambitioniert gezeigt. Vor allem im KMU-Bereich, wo die Grünen zarte Wurzeln schlagen konnten, ist man bemüht. Kleine und mittlere Betriebe und Ein-Personen-Unternehmen sollten aus grüner Sicht stärker unterstützt werden - etwa bei der Büroinfrastruktur oder über Mikrokredite. Das ist lobenswert, und auch die einfachere Übung. Die großen Themen der Stadt wie Bürokratieabbau, Förderhürden, die Abwanderung von Betrieben Richtung Niederösterreich oder der schwache Industriesektor bleiben damit aber unberührt.

Und Rot-Schwarz? Aus Sicht der Unternehmen sicherlich die etwas bessere Koalitionsvariante - allein vom Grundverständnis her. Wenig hilfreich ist, dass die Wiener VP einen nicht gerade geordneten Eindruck macht und auch in der Außenwirkung in den vergangenen Jahren praktisch nicht existent war. Dass sich Wiens Oberschwarzer relativ knapp vor der Wahl endgültig in Richtung Brüssel verabschiedet hat, hat die Lage seiner Parteifreunde auch nicht verbessert. Und: Während der Wiener Bürgermeister sich ganz gern und eloquent zu Bundesthemen äußert, ist die Bundes-VP bei Wien-Themen auch recht schweigsam. Rückhaltsfaktor: null. Unterm Strich muss sich die Wiener VP erst sammeln, bevor sie bereit ist für die großen Lösungen.

Was braucht also die Wiener Wirtschaft? Den Unternehmen können die Farbenspiele in die eine oder andere Richtung eigentlich egal sein. Nicht umsonst hat die Wirtschaftskammer Wien bereits vor der Wahl ungewöhnlich laut auf den Tisch geklopft und ernsthafte Reformen eingemahnt. WKW-Präsidentin Brigitte Jank pocht auch auf ein Arbeitsübereinkommen zwischen neuer Stadtregierung und Wirtschaftskammer mit klaren und verbindlichen wirtschaftlichen Zielsetzungen. Das soll den Standort attraktiver machen und Unternehmen das Leben erleichtern. Für Wien (und auch die Wiener VP) gilt jetzt: Ärmel hochkrempeln und arbeiten.

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