Rezession trifft die Versicherungswirtschaft abgemildert

Wien (OTS/WIFO) - Die Prämieneinnahmen der österreichischen Privatversicherungswirtschaft stagnierten 2009 und erwiesen sich so als vergleichsweise robust gegenüber der Rezession. Dennoch zählt 2009 zu den schlechtesten Jahren des Sektors in der jüngsten Vergangenheit. Wegen des Rückgangs des nominellen BIP (-3,1%) stieg die Versicherungsdurchdringung 2009 deutlich auf 6%. Damit wurde die gegenläufige Entwicklung der letzten Jahre korrigiert. Die Verteilung der Prämieneinnahmen auf die drei Versicherungsabteilungen verschob sich wegen der Abnahme in der Kfz-Versicherung zu den Lebens- und Krankenversicherungen. Dieses Muster entspricht dem kontinentaleuropäischen Trend eines Rückgangs der Nicht-Lebensversicherung bei gleichzeitiger Verschiebung der Nachfrage zu Lebensversicherungen mit garantierten Mindestgewinnzusagen. Auf den angelsächsisch geprägten Versicherungsmärkten waren hingegen deutliche Prämieneinbußen zu verzeichnen, großteils aufgrund des Einbruchs der fondsgebundenen Lebensversicherung.

Der für österreichische Unternehmen wichtige Markt in Mittel-, Ost- und Südosteuropa brach 2009 ein (-20%). Die Wirtschaftskrise und der damit verbundene Schuldenabbau aller Sektoren gingen zulasten der Prämieneinnahmen in der gesamten Versicherungswirtschaft. Trotz der erstaunlich raschen Erholung der Wirtschaftskraft dürften die günstigen Grundvoraussetzungen auf diesem Markt auch in den nächsten Jahren durch den fortschreitenden Schuldenabbau überlagert werden.

Ausländische Versicherungsunternehmen weiteten ihre Aktivitäten auf dem österreichischen Versicherungsmarkt im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr aus und erhöhten ihren Marktanteil 2007 deutlich. Diese Versicherer unterstehen nicht der österreichischen Aufsichtsbehörde, sondern der Aufsicht im Stammsitzland, daher stehen die entsprechenden Daten nur mit großer Verzögerung zur Verfügung.

Auf dem österreichischen Versicherungsmarkt verursachten vor allem die schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen Preisdruck in der Kfz-Versicherung und in der gewerblichen Versicherung, der einen Rückgang der durchschnittlichen Prämienhöhe je Risiko mit sich brachte. Der Anstieg der Zahl versicherter Risken glich diese Dämpfung der Prämieneinnahmen in der Schaden-Unfallversicherung nicht aus (-1%). Die Krankenversicherung erwies sich auch 2009 als stetiger Wachstumsfaktor der Versicherungswirtschaft (+3,7%), während in der Lebensversicherung die Einmalerläge für ein Umsatzplus sorgten (+0,5%). Für das Jahr 2010 zeichnet die aktuelle Vorschau des Verbandes der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO) ein verhaltenes Bild. Der Veranlagungsertrag der Versicherungswirtschaft erholte sich 2009 gegenüber 2008 deutlich, litt jedoch weiterhin unter dem hohen Abschreibungsbedarf.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 10/2010
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=40599&typeid=8&
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