Volksgruppentag: Podiumsdiskussion über "Perspektiven der Jugend" SchülerInnen messen zweisprachigem Unterricht große Bedeutung zu

Wien (PK) - Österreich habe allein schon wegen seiner Geschichte eine enorme Verantwortung, was Minderheitenrechte betrifft. Das betonte Nationalratspräsidentin Barbara Prammer bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Perspektiven der Jugend" anlässlich des heute stattfindenden Volksgruppentags im Parlament. Im Anschluss an das zweisprachige Theaterstück "Korosko kolo / Kärntner Reigen" der Gruppe Sanjelovec/Traumtänzer diskutierten Schülerinnen und Schüler aus Kärnten, Burgenland, Wien und Südtirol unter anderem über die Bedeutung von muttersprachlichem Unterricht, Vorurteile gegenüber Mitgliedern der österreichischen Volksgruppen, fehlende zweisprachige Ortstafeln in Kärnten und den einen oder anderen schiefen Blick bei Verwendung der Muttersprache in der Öffentlichkeit.

In ihrem Impulsreferat hob Nationalratspräsidentin Prammer insbesondere die Notwendigkeit hervor, in politische Bildung bzw. "Demokratiebildung" zu investieren. Demokratie sei die einzige Gesellschaftsform, die gelernt werden müsse, meinte sie, es gehe unter anderem um Partizipation, das Aufbringen von Verständnis für Minderheiten und das Bewusstmachen des Umstands, dass Menschenrechte unteilbar seien. Hier stehe man, so Prammer, vor großen Herausforderungen. Allgemein machte Prammer geltend, dass Sprache wesentlich zur Identität beitrage, und wertete es als enorme Bereicherung, zweisprachig aufzuwachsen.

Am Podium saßen neben Prammer und Moderatorin Ani Gülgün-Mayr (ORF) vorwiegend Schülerinnen und Schüler aus zweisprachigen Schulen bzw. Schulen mit Unterricht in einer Volksgruppensprache. Sie werteten es als großen Vorteil, auch in ihrer Muttersprache und nicht nur in Deutsch unterrichtet zu werden.

Fehlender Unterricht in der Muttersprache führe zu Assimilierung, gab etwa Lara Domeneghetti von der Südtiroler Kunstschule Cademia zu bedenken und äußerte die Befürchtung, dass kleine Sprachgruppen wie die ladinische auszusterben drohten. Auch die Burgenlandkroatin Lisa Racz wies auf das Problem der Assimilation von Kindern und Jugendlichen hin. Teresa Wild, Schülerin des zweisprachigen Gymnasiums in Oberwart, zeigte sich überzeugt, dass jemand, der zweisprachig aufwachse, toleranter gegenüber fremden Sprachen und gegenüber Fremden im Allgemeinen sei.

Pavel Brezina machte auf die lange Tradition der tschechischen Komensky-Schule in Wien aufmerksam. Er selbst sei als Kind von Tschechien nach Wien gekommen, schilderte er, und profitiere vom bilingualen Unterricht in allen Fächern. Seine ganze Familie seien Tschechen, durch den Tschechisch-Unterricht von Kindheit an, könne er sich mit ihnen problemlos verständigen. Alexander Sarközi, Schüler einer deutsch-englischsprachigen Schule im 22. Wiener Gemeindebezirk, verwies darauf, dass Romanes erst seit kurzem eine "kodifizierte" Sprache sei und damit unterrichtet werden könne. Als positives Beispiel für Sprachenvielfalt und gelungene Integration im Unterricht hob Johanna Fritz ihre Schule, das GRG Ödenburgerstraße in Wien 21, hervor.

Die beiden Kärntner Schüler am Podium, Dominik Urak vom slowenischen Gymnasium und Fabian Türk von der zweisprachigen Handelsakademie in Klagenfurt, sprachen auch politische Aspekte an. So wertete es Urak als unverständlich, dass zweisprachige Ortstafeln in Kärnten nach wie vor umstritten seien, und plädierte dafür, die slowenische Umgangssprache stärker zu fördern. Türk unterstrich, die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Kärnten sei Voraussetzung, um bestehende Ressentiments zwischen "Deutschkärntnern" und Kärntner Slowenen zu beseitigen und eine Grundlage für ein künftiges Miteinander zu schaffen. Er forderte zudem, den Staatsvertrag in vollem Umfang zu erfüllen.

Weitere Podiumsdiskussionen im Rahmen des Volksgruppentags fanden zu den Themen "Vertretung der Volksgruppen" (Impulsreferat Staatssekretär Josef Ostermayer), "Schule und Bildung" (Impulsreferat Unterrichtsministerin Claudia Schmied) sowie "Wirtschaft und regionale Zusammenarbeit" (Impulsreferat Staatssekretär Reinhold Lopatka) statt. Zu den Podiumsteilnehmern gehörten unter anderem Rudolf Vouk, Rudolf Sarközi, Susanne Weitlaner und Martin Ivancsics.

Parallel zu den Podiumsdiskussionen wurde mit Musikdarbietungen, der Puppentheatergruppe Lutke Mladje KDZ, Lesungen sowie Filmen von Ingrid Konrad, Gisa Ruland, Milena Osip, Marika Schmiedt und Emmerich Gärtner-Horvath auch viel Kulturelles geboten. (Schluss)

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