"Commission on Media Policy" untersuchte Volkszugehörigkeit, Nationalität und Religion in der Berichterstattung

Tagung im ORF-Zentrum unter der Leitung von Ellen Mickiewicz

Wien (OTS) - Nachrichtenagenturen und Journalisten sollten die Objekte ihrer Berichterstattung nicht nach Volkszugehörigkeit oder Nationalität identifizieren, außer es ist tatsächlich notwendig, zumal die Identifizierung Stereotypen fördert und historische Animositäten hervorruft. Nachrichtenagenturen sollten ebenfalls untersuchen, wie Schulen deren Schülerinnen und Schüler über verschiedene religiöse oder ethnische Gruppen unterrichten. Diese Thesen waren das Ergebnis der Diskussion von Journalisten und Politikern beim jährlichen Treffen der "Commission on Media Policy" am 15. und 16. Oktober 2010 im ORF-Zentrum Wien unter dem Vorsitz von Dr. Ellen Mickiewicz, Professor für Politikwissenschaften an der Duke Universität in den USA. Organisiert wurde die Tagung von der Duke University, dem Europäischen Forum Alpbach und dem ORF - mit Unterstützung von ERSTE Stiftung und Wien Kultur.

Einige Mitglieder der Commission bemerkten, dass zahlreiche Länder deren Bürger dazu zwingen, ihre ethnische Herkunft oder nationale Identität im Reisepass anzugeben, und verurteilten diese Praxis scharf. "Die einzige Information im Pass sollte die Staatsangehörigkeit sein", sagte der ehemalige ARD-Programmdirektor Dietrich Schwarzkopf. "Der Staat hat die Pflicht, seine Bürger zu schützen", so Schwarzkopf. Die Commission empfahl, dass Journalisten untersuchen sollten, wie Regierungen mit Informationen zu Herkunft oder Nationalität umgehen.

Die Commission diskutierte ebenfalls die Schwierigkeiten mancher Nachrichtenagenturen bei der Berichterstattung zur Weltwirtschaftskrise, da zahlreiche Nachrichtenquellen versiegten und die Werbeeinnahmen einbrachen. Die Mitglieder empfahlen, verstärkt Universitäten als Quellen heranzuziehen und "Geschichten als Geschichten" zu erzählen. So könnten Journalisten auch komplexe Geschichten ihrem Publikum verständlich näherbringen.

Die "Commission on Media Policy" wurde 1990 vom früheren US-Präsidenten Jimmy Carter gegründet, um die Rolle der freien Presse in demokratischen Gesellschaften zu fördern. In den Anfangsjahren lag der Schwerpunkt der Arbeit der Kommission bei medienpolitischen Themen in den USA, in Ost- und Westeuropa. Seit Mitte der neunziger Jahre fand eine Ausdehnung auf Zentral-, Ost- und Südosteuropa statt.

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