ÖAW fordert intensiven Dialog über Zukunft von Bildung, Forschung und Lehre in Österreich

Wien (OTS) - Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wandte sich am 15. Oktober 2010 mit einer Resolution an die Österreichische Bundesregierung und das Österreichische Parlament

Mit der Forderung nach einem intensiven Dialog mit Vertreter(inne)n der Forschungsträger über die Zukunft von Bildung, akademischer Forschung und Lehre in Österreich und entsprechenden Konsequenzen für die künftige Finanzierung wandte sich die österreichische Akademie der Wissenschaften am 15. Oktober 2010 in einer Resolution an das Präsidium des Parlaments und an die Österreichische Bundesregierung.

Die von den Mitgliedern des ÖAW-Präsidiums, Präsident Helmut Denk, Vizepräsidentin Sigrid Jalkotzy-Deger, Generalsekretär Arnold Suppan und Sekretär Georg Stingl, unterzeichnete Resolution im Wortlaut:

"Mit großer Sorge verfolgt die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) die krisenhafte Entwicklung an den österreichischen Universitäten. Die ÖAW ist mit den Universitäten eng verbunden, da nicht nur die meisten ihrer Mitglieder aus den Universitäten kommen und enge wissenschaftliche Kooperationen bestehen, sondern auch eine Reihe international renommierter Professor(inn)en als Direktor(inn)en und mit ihnen zahlreiche hervorragende Doktorand(inn)en in ihren Forschungsinstitutionen tätig sind. Die seit Monaten kursierenden Gerüchte über massive Einsparungen im Lehr- und Forschungsbereich haben auch an der ÖAW große Unruhe ausgelöst.

Seit mehreren Jahren öffnet sich für die meisten österreichischen Universitäten die Schere zwischen stark steigenden Studierendenzahlen und damit nicht parallel gehender budgetärer Ausstattung. Bereits seit dem Parlamentsbeschluss im September 2008 war absehbar, dass ein weitgehend freier Universitätszugang und der Verzicht auf Studiengebühren zu Unplanbarkeit und Unterfinanzierung und damit zu Qualitätsverlust in der universitären Ausbildung beitragen. Weder in westlichen Industrieländern noch in den aufstrebenden Staaten Asiens, schon gar nicht an den 100 weltweit führenden Universitäten, existiert ein vergleichbares System. Wir halten in diesem Zusammenhang fest, dass sich die ÖAW aus Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserer Jugend uneingeschränkt mit allen zur Optimierung der universitären Ausbildung notwendigen Maßnahmen identifiziert. Die Forderung der Bundesregierung und des Parlaments an die österreichischen Universitäten, im internationalen Wettbewerb mitzuhalten, ist unter diesen Umständen unzumutbar. Ein Blick in die mit Österreich vergleichbare und in wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sehr erfolgreiche Schweiz zeigt, welche Bedeutung unser Nachbarland seinen Spitzenuniversitäten zumisst und welche öffentlichen Dotierungen der Grundlagenforschung zufließen.

Österreich wird im internationalen Wettbewerb nur dann bestehen, wenn es gelingt, aus der Vergangenheit resultierende Defizite wett zu machen und neue Wege in Forschung und Entwicklung inner- und außerhalb der Universitäten zu beschreiten. Eine Vernachlässigung der Förderung von Bildung und tertiärer Ausbildung könnte schon in wenigen Jahren schwere Folgen für unsere Gesellschaft haben.

Die ÖAW fordert das Präsidium des Parlaments und die Österreichische Bundesregierung auf, umgehend einen intensiven Dialog mit Vertreter(inne)n der Forschungsträger über die Zukunft von Bildung, akademischer Forschung und Lehre in Österreich zu führen und die dabei festgestellten finanziellen Erfordernisse in die künftigen Budgets einfließen zu lassen."

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Dr. Marianne Baumgart
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