Greenpeace-Analyse: Feinstaubgefahr größer als angenommen

Ungarische Regierung muss endlich umfassende Untersuchungen veranlassen

Wien (OTS) - Das physiogeographische Labor der Universität Wien
hat im Auftrag von Greenpeace eine Korngrößenanalyse des Rotschlamms durchgeführt. Die Ergebnisse liegen nun vor und zeigen, dass der Anteil an sehr feinen Partikeln (kleiner als zwei Mikrometer), und damit die Ultrafeinstaubgefahr, sehr hoch ist. Greenpeace hat damit die erste Analyse des ungarischen Rotschlamms in Bezug auf die Teilchengröße vorgelegt und war damit erneut - wie auch mit der Schadstoffanalyse - schneller als die ungarischen Behörden. "Wir erwarten von den ungarischen Behörden endlich eine lückenlose Aufklärung der Bevölkerung, anstatt die Evakuierung des betroffenen Dorfs Kolontár einfach wieder aufzuheben", so Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster.

Seit heute Mittag ist das Dorf Kolontár wieder für die Einwohner geöffnet. Diese dürfen nun wieder in ihre Häuser einziehen. "Und das obwohl die Zeitbombe Ultrafeinstaub unaufhörlich tickt", warnt Schuster. Die Analysen zeigen, dass circa 70 Prozent der Masse der Schlammproben aus Teilchen mit einer Größe kleiner als zwei Mikrometer bestehen. Das bedeutet, dass ein großer Teil des Giftschlamms zu Ultrafeinstaub werden und somit eine enorme Gesundheitsgefahr darstellen kann. Je kleiner die Feinstaub-Körnchen, desto tiefer gelangen sie in die Atemwegs-Struktur. Aufgrund ihrer Größe sind diese Partikel sehr lungengängig. Sie können bis in die Lungenbläschen dringen und so auch ins Blut aufgenommen werden.

Eine zusätzliche Gefahr liegt auch in der Verunreinigung des Schlamms mit Giftstoffen wie Arsen. Das haben frühere Tests von Greenpeace ergeben. Wird jetzt also der Schlamm in Form von Staub aufgewirbelt und eingeatmet, dann werden damit auch toxische Stoffe inhaliert. "Die ungarische Regierung darf diese Gefahr nicht ignorieren oder kleinreden", fordert Herwig Schuster. "Die Behörden müssen den Menschen vor Ort endlich die Wahrheit über die Gefahren sagen."

Insgesamt sind bei der Katastrophe circa 700.000 Kubikmeter Giftschlamm freigesetzt worden. Über den Feststoffanteil gibt es bis jetzt keine gesicherten Informationen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass zumindest eine halbe Million Tonnen ausgelaufen sind, die jetzt langsam austrocknen. "Bleibt es in den nächsten Tagen trocken und kommt starker Wind dazu, dann wird sehr viel Staub aufgewirbelt werden und die Feinstaubbelastung wird dementsprechend stark ansteigen.", prognostiziert Schuster.

Greenpeace fordert eine unabhängige und umfassende Untersuchung zu den jetzigen Risiken und den zu erwartenden Langzeitfolgen. Hierbei soll nicht nur die Gefahr durch toxischen Staub, sondern auch die Verschmutzung des Bodens und des Grundwassers untersucht werden.

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DI Herwig Schuster, Greenpeace-Chemiker, Tel. 0043 664 4319214
Melanie Beran, Pressesprecherin Greenpeace; Tel.: 0043 664 6126718

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