Pirklhuber: Internationale Gemeinschaft hat bei Bekämpfung des weltweiten Hungers versagt

Agrosprit, Spekulationen mit Grundnahrungsmitteln und Landraub gefährden Ernährungssicherheit

Wien (OTS) - "Mehr als eine Milliarde Menschen hungern. Von den Millenniumszielen, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, sind wir weiter denn je entfernt. Die internationale Gemeinschaft hat bisher bei der Bekämpfung des weltweiten Hungers völlig versagt", kritisiert der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, anlässlich des morgigen Welternährungstages. Zu den vielfältigen Ursachen für Hunger, wie strukturelle Armut, fehlender Zugang zu Land oder Kriege kommen noch neue, höchst bedenkliche Entwicklungen dazu: Der forcierte Einsatz von Agro-Treibstoffen, "Land-Raub" durch Investoren und Börsenspekulationen mit Agrarrohstoffen.

"Die Beimischungszwänge von Agrartreibstoffen verschärfen die Nahrungsmittelkrise noch. Weder die EU noch Österreich verfügen über die notwendigen Flächen zur Produktion der Agrarrohstoffe, um die Beimischungsziele (10% bis 2020) zu erreichen, sondern man ist weitgehend auf Importe angewiesen. Für die Substitution von zehn Prozent Agrartreibstoffen in europäischen Tanks werden daher in anderen Ländern noch mehr Wälder vernichtet, geht noch mehr Ackerfläche für die Nahrungsmittelerzeugung verloren, werden noch mehr Menschen in Hunger und Elend gedrängt. Wir fordern daher dringende Korrekturen in der Pflanzentreibstoff-Politik der EU", so Pirklhuber. "Auch die an den Rohstoffbörsen betriebenen Spekulationen mit Agrarrohstoffen, die die Preise für Grundnahrungsmittel in die Höhe treiben, müssen sofort abgestellt werden. Denn was für Spekulanten ein lukratives Geschäft ist, treibt die Ärmsten in die Hungersnot. Eine weltweit gültige Regulierung des Agrar-Rohstoffhandels ist daher ein Gebot der Stunde".

Eine weitere höchst bedenkliche Entwicklung ist eine neue Art der Landnahme, die als "Land Grabbing" oder "Landraub" bezeichnet wird. Dabei sichern sich Länder wie Saudi Arabien, Korea oder China riesige Flächen im Ausland, um sie für die heimische Nahrungsmittel- oder Agrartreibstoffproduktion zu nutzen. Auch private Investoren entdecken Land zunehmend als eine gewinnbringende Anlage. Die Kauf-oder langjährigen Leasing-Verträge werden meist ohne Rücksicht auf die dort lebende Bevölkerung abgeschlossen. Menschen, die ohnehin meist zu den Ärmsten der Welt gehören, werden oftmals entschädigungslos vertrieben und in ihren Rechten grob verletzt. Allein in Afrika, so schätzt die FAO, wurden in den letzten drei Jahren 20 Millionen Hektar Land durch ausländische Investoren akquiriert. In einem Entschließungsantrag fordern die Grünen die österreichische Bundesregierung auf, in ihrem Einflussbereich auf nationaler und internationaler Ebene den neuen Formen der Landnahme ("Land Grabbing") aktiv und konsequent entgegen zu treten.

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