Ergebnisse der ÖGUT-Zukunftsbefragung 2035

Wien (OTS) -

  • Hauptsorgen: Ressourcen, Soziales und Bildung
  • Umfassende Reformen finden breite Akzeptanz
  • Forderung nach mehr Mut in der Politik

Die Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) präsentierte heute die Ergebnisse der größten Zukunftsbefragung Österreichs. 1.113 EntscheidungsträgerInnen und MeinungsbildnerInnen aus Wirtschaft, Forschung, Non-Profit-Organisationen und Verwaltung haben zwischen Juli und September an der Online-Befragung teilgenommen und gaben ihre Einschätzung über die Zukunftsperspektiven Österreichs ab - mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Seit 25 Jahren vermittelt die ÖGUT zwischen den Interessen von Umwelt, Wirtschaft und Verwaltung und schafft Raum für Ideen und Innovationen. Im Jubiläumsjahr 2010 initiierte die ÖGUT unter dem Titel "Zukunftsdialog 2035 - Das Blatt wenden" den größten Umweltdialog, den es je in Österreich gab. Kernstück des Zukunftsdialogs bilden die heute von Generalsekretär Dr. Herbert Greisberger gemeinsam mit AMS-Vorstand Dr. Johannes Kopf und Dr. Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Instituts für Meteorologie an der BOKU Wien, präsentierten Ergebnisse der Zukunftsbefragung.

"Unser Leitspruch ist: Die Zukunft gemeinsam entwerfen", so Herbert Greisberger zur Idee der Zukunftsbefragung. "Die überraschend große Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Befragung hat uns gezeigt, wie wichtig und notwendig die Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen zur zukünftigen Entwicklung Österreichs ist."

Kernthemen: Ressourcenmangel, Soziales Gleichgewicht und Bildung

Die zentralen Sorgen der Befragten für die kommenden Jahre sind vor allem Ressourcenmangel, Einschränkung der persönlichen Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Die Bedrohung durch die Klimaveränderung ist bei der Mehrzahl der Befragten unbestritten, die "Klimakatastrophe" wird jedoch überraschend weit hinten gereiht.

Rund drei Viertel der Befragten sehen in Rohstoffengpässen den Auslöser für drastische Veränderungen in der Gesellschaft und im Wirtschaftssystem. Ein noch deutlicheres Ergebnis liefert auch die Frage nach dem sozialen Gleichgewicht: 83 Prozent geben an, dass die ungleiche Verteilung von Vermögen und Einkommen zu massiven sozialen Konflikten führen wird.

Dr. Helga Kromp-Kolb, Leiterin des Instituts für Meteorologie an der BOKU Wien, sieht im ÖGUT-Zukunftsdialog und der Befragung die Chance für die weitere Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Zukunft: "Wegen der Ressourcenverknappung und des Klimawandels kommen große Umbrüche auf die Gesellschaft zu: diese zu meistern, bedarf es der Mitwirkung aller. Eine Grundvoraussetzung dafür ist die Auseinandersetzung mit den derzeitigen Entwicklungen und mit der Zukunft. Der Zukunftsdialog der ÖGUT als Prozess, bei dem sehr unterschiedliche Sichtweise aufeinander treffen, ist ein guter Beitrag dazu."

Maßnahmen für eine zukunftsfähige Entwicklung

"Bei der Frage nach sinnvollen Maßnahmen wird der Wunsch nach mehr Mut in der Politik deutlich.
Es gibt unter den Befragten durchaus die Bereitschaft umfassende Reformen zu unterstützen, um zukunftsfähige Maßnahmen mitzutragen", interpretiert Herbert Greisberger die Ergebnisse.

Eine Erhöhung der Steuern auf Ressourcen wie etwa Brenn- und Treibstoffe, Elektrizität oder Boden wird bei einer deutlichen Reduktion der Besteuerung von Arbeit von der überwiegenden Mehrheit der Befragten als sinnvolle Maßnahme bewertet. Ebenso wie eine Erhöhung der Steuern auf Finanztransaktionen oder Vermögen. Und das unabhängig davon, ob es sich um TeilnehmerInnen aus dem Umweltbereich oder aus Verwaltung und Privatwirtschaft handelt. "Eine umfassende Steuerreform im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist längst überfällig und wird von einer großen Mehrheit mitgetragen. Jetzt ist der Zeitpunkt sie auch umzusetzen", so Herbert Greisberger. Sehr ambivalent zeigen sich die Befragten jedoch im Hinblick auf Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums. Während rund 60 Prozent ein Aussetzen von Maßnahmen zur Erhöhung des Wirtschaftswachstums unterstützen, lehnen dies etwa 40 Prozent der Befragten ab.

Um kommende Herausforderungen zu meistern, wird auch weiterhin eine staatliche Leitungsrolle gefordert. Auf wenig Gegenliebe fallen jedoch Einschränkungen staatlicher Leistungen. Am wenigsten Verständnis gibt es für Kürzungen im Bildungsbereich. Zustimmung gibt es am ehesten noch im Bereich der Pensionen. Hier zeigt sich überraschend ein sehr einheitliches Bild bei allen Altersgruppen.

Auch eine Überarbeitung der Bund/Länder-Verantwortlichkeiten in der Gesetzgebung wird gefordert. Zwei Drittel der Befragten sprechen sich für die Einsparung der Bundesländer als Gesetzgebungsebene aus. Gleichzeitig gibt es ein Bedürfnis nach mehr politischen Mitbestimmungsrechten der BürgerInnen und erhöhter Transparenz bei politischen Entscheidungen.

Bildung und Aufwertung Freiwilligenarbeit

Die Umfrage zeichnet auch im Bereich Bildung und Arbeit ein eindeutiges Bild: Eine gute Ausbildung ist für 80 Prozent der Befragten in allen Altersgruppen der Erfolgsfaktor am Arbeitsmarkt der nächsten Jahre. "Über die Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhalts bis ins Jahr 2035 nachzudenken - gemeinsam mit ExpertInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen - war nicht nur überaus interessant, sondern brachte auch wertvolle Handlungsanleitungen für die Entwicklung unseres Sozialsystems hervor", so Dr. Johannes Kopf, Vorstand AMS Österreich und Teilnehmer des ÖGUT-Zukunftsdialogs.

Die Akzeptanz verschiedener Maßnahmen am Arbeitsmarkt fällt jedoch recht unterschiedlich aus. 68 Prozent der Befragten sprechen sich entschieden für eine Aufwertung unbezahlter Leistungen
wie Sorgearbeit oder freiwilliges Engagement aus, rund ein Viertel für eine erwerbsunabhängige Mindestsicherung. Hingegen wird eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit mehrheitlich abgelehnt.

Deutliche Unterschiede beim Thema Gleichstellung

Während bei den meisten Themen die Auswertung nach Geschlecht wenig Unterschiede ergab, gingen die Meinungen bei der Einführung von gesetzlichen Gleichstellungsmaßnahmen mit Sanktionsandrohung deutlich auseinander. 43 Prozent der befragten Frauen halten diese Maßnahme für besonders wichtig, bei den Männern sprechen sich hingegen nur 15 Prozent dezidiert dafür aus. Über 40 Prozent der männlichen Befragten stehen solchen Maßnahmen kritisch oder ablehnend gegenüber.

Bereitschaft zu privaten Einschränkungen

Wenn es um die Einschränkung im persönlichen Lebensbereich geht, gehen die Meinungen der Befragten stark auseinander. Besonders deutlich wird dies beim Thema Einfamilienhäuser. Keine Genehmigung für neue freistehende Einfamilienhäuser? Das kann sich eine Hälfte der Befragten überhaupt nicht, die andere Hälfte sehr wohl vorstellen.

Durch eine Änderung des persönlichen Lebensstils zur Senkung des Ressourcenverbrauchs beizutragen können sich grundsätzlich fast alle Befragten vorstellen. Die Unterschiede werden hier deutlich, wenn es um die konkreten persönlichen Beiträge geht. Beinahe alle Befragten wären bereit, auf regionale Produkte oder auf erneuerbare Energien umzusteigen. Bei der Reduktion des persönlichen Einkommens fällt die Bereitschaft deutlich geringer aus, die Reduktion der eigenen Wohnfläche wird mehrheitlich abgelehnt.

ÖGUT - Neue Wege für ein nachhaltiges Österreich

Die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) ist das Kompetenzzentrum und die Dialogplattform für Umwelt und Nachhaltigkeit in Österreich. Die ÖGUT vermittelt zwischen den Interessen von Umwelt, Wirtschaft und Verwaltung, vergibt jährlich den ÖGUT-Umweltpreis und führt zahlreiche Aktivitäten für Mitglieder und Öffentlichkeit durch.

Die Schirmherrschaft des ÖGUT-Zukunftsdialogs haben Bundesminister DI Niki Berlakovich, Dr.in Hildegard Aichberger (WWF) und Dr. Christoph Leitl (WKÖ) übernommen.

Weitere Informationen zum ÖGUT-Zukunftsdialog finden Sie unter www.dasblattwenden.at

Weitere Bilder unter:
http://pressefotos.at/m.php?g=1&u=66&dir=201010&e=20101015_g&a=event

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Rückfragen & Kontakt:

Dr. Herbert Greisberger
Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT)
Hollandstraße 10/46, 1020 Wien
Tel.: 0043-1-315 63 93-13, E-Mail: herbert.greisberger@oegut.at, www.oegut.at

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