Greenpeace gegen erneuten Produktionsstart der MAL AG

Forderung nach internationaler Expertenkommission

Wien/Budapest (OTS) - Greenpeace warnt eindrücklich vor der für heute Mittag geplanten Wiederaufnahme der Produktion in der Aluminiumfabrik MAL AG in Ajka. Das Unternehmen verursachte am 4. Oktober eine große Umweltkatastrophe, bei der neun Menschen ums Leben kamen und 130 Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Der Umweltorganisation zufolge ist die Entscheidung der ungarischen Behörden, der Wiederinbetriebnahme grünes Licht zu erteilen, völlig unverantwortlich. "Es ist immer noch unbekannt, wie es zu dieser Katastrophe kommen konnte. Außerdem mussten wir feststellen, dass das Katastrophenmanagement der ungarischen Behörden völlig unzureichend war und immer noch ist. Nicht zuletzt deshalb haben wir sehr wenig Vertrauen in die Sicherheitsbewertung durch die lokalen Behörden", kritisiert Greenpeace-Sprecher Herwig Schuster. Greenpeace fordert die ungarische Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban auf, die Produktion geschlossen zu halten bis eine internationale und unabhängige Expertenkommission die Sicherheit aller MAL-Produktionsanlagen in Ajka bestätigt hat.

Greenpeace-Recherchen haben gezeigt, dass die verwendete Produktionstechnologie nicht am neuesten Stand der Technik ist. Insbesondere der hohe pH-Wert des anfallenden Rotschlamms zwischen 13 und 14 stellt im Falle eines Unfalls ein hohes Risiko dar. Wie Greenpeace von den zuständigen Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg informiert wurde, produziert die Tonerde-Fabrik in Stade in Nord-Deutschland im Gegensatz dazu Rotschlamm mit einem pH-Wert von 9,4. Dies ist dank eines Natronlauge-Auswaschprozesses möglich. "Der deutsche Rotschlamm ist im direkten Kontakt viel weniger gefährlich als der ungarische", erklärt Schuster. "Das zeigt uns, dass MAL nicht nur in ihre Deponien und Dämme sondern auch in ihre Produktions-Technologie investieren muss", so Schuster weiter.

Im Moment wird die MAL AG vom ungarischen Staat verwaltet. Die Entscheidung über die Wiederaufnahme des Betriebs war also eine rein politische. Die Berechtigung zur Wiederinbetriebnahme wurde von den ungarischen Behörden selbst erteilt. "In einer solchen Situation können wir nicht akzeptieren, dass die ungarischen Beamten die Erlaubnis ihren direkten Kollegen erteilen", erklärt Schuster. "Daher ist die Etablierung einer unabhängigen, internationalen Expertenkommission zur Bewertung der Sicherheitslage unabdingbar", stellt Schuster abschließend fest.

Greenpeace wiederholt die Kritik an der ungarischen Regierung. Erst mehr als eine Woche nach der Katastrophe wurden die ersten offiziellen Analyseergebnisse veröffentlicht, und dies bis heute auch nur gut versteckt auf ungarischsprachigen Websites. "Den ungarischen Behörden zufolge gibt es, außer der Überschwemmung der unmittelbaren Gegend, keinerlei relevante Auswirkungen auf die Umwelt", so Schuster. "Wir gehen davon aus, dass sie Informationen zurückhalten. Also warum sollten wir der Behauptung, dass die Wiederaufnahme der Produktion sicher ist, Glauben schenken?", stellt Schuster in den Raum.

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DI Herwig Schuster, Greenpeace-Chemiker, Tel. 0043 664 4319214
Melanie Beran, Pressesprecherin Greenpeace; Tel.: 0043 664 6126718

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