Missbrauch: Deutscher Jesuit P. Mertes lobt Vorgehen in Österreich

Leiter des Berliner Canisius-Kollges referierte bei Wiener Diözesanversammlung: "Blick auf Wien ist für uns sehr ermutigend"

Wien, 15.10.10 (KAP) "Für uns in Deutschland war der Blick auf Wien sehr ermutigend". Mit diesen Worten lobte der deutsche Jesuit und Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, P. Klaus Mertes, das Vorgehen der Kirche in Österreich im Missbrauchsskandal. "Mit Aufmerksamkeit und Respekt" habe man aus Deutschland verfolgt, wie insbesondere Kardinal Christoph Schönborn "in diesem Sturm gehandelt hat", sagte P. Mertes in seinem Eröffnungsvortrag zum zweiten Tag der Wiener Diözesanversammlung, die unter Beteiligung von 1.400 Delegierten aus allen Wiener Pfarren derzeit noch bis Samstag im Stephansdom stattfindet.

Mit einer Bußfeier im Stephansdom, der Einrichtung einer Opferschutzkommission, der raschen Auszahlung von Therapie- und Entschädigungszahlungen und der Überarbeitung der kirchlichen Richtlinien habe Kardinal Schönborn wichtige Akzente gesetzt. "Dafür möchte ich Ihnen von Herzen danken", so P. Mertes.

Insgesamt plädierte der Jesuit, der in Deutschland die Enthüllungswelle der Missbräuche im kirchlichen Bereich im Frühjahr losgetreten hatte, dafür, den losgebrochenen Sturm als einen "Sturm der Reinigung" zu sehen und die Chance wahrzunehmen, die sich darin auftue, als Kirche bei der Bewältigung des Skandals mutigen Schrittes voranzugehen, Verantwortung zu übernehmen und so die "Option für die Armen" in eine "glaubwürdige Option für die Opfer" zu verwandeln.

Ziel müsse eine "echte Versöhnung" sein, und wenn die Kirche dies glaubwürdig vorlebe, könne sie für die Gesellschaft ein dringend notwendiges "Vorbild im Umgang mit eigener Schuld sein", zeigte sich Mertes überzeugt.

Gewiss sei ein Sturm stets "unangenehm" und "Reue zunächst nicht süß, sondern bitter". Aber Gott spreche "auch durch Ereignisse, die bitter schmecken". P. Mertes wörtlich: "Gerade im Sturm muss es uns um mehr gehen, als nur ums Überleben: Denn wer dem Sturm nur defensiv gegenübertritt, der geht in ihm unter."

(forts. mgl.) hkl/pwu/

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