"KURIER"-Kommentar von Christian Böhmer: "Eine Wahl namens Reue"

Die Briefwahl hat Reformen nötig - allerdings andere als die Regierung plant.

Wien (OTS) - Wenn am Montag die letzten Stimmen der Wiener Briefwähler ausgezählt sind, bleibt eine delikate Frage offen: Wie viele dieser fast 100.000 Menschen haben ihr Kreuz gemacht, nachdem das vorläufige Endergebnis über den Fernsehschirm flimmerte? Theoretisch war es auch diesmal möglich, taktisch zu wählen, sprich erst am Montag den Stimmzettel in den Briefkasten zu werfen. Formal schwer illegal, schon klar, nur: Wenn sogar die ÖVP dafür in Inseraten wirbt ...
Die Regierung will die Betrugsgefahr mindern, indem sie die Frist auf einen oder zwei Tage nach dem Wahltag verkürzt. Klingt vernünftig - ist aber auch keine Lösung: Briefe sind oft nur einen Tag unterwegs; und wie will man Wähler daran hindern, frisch ausgefüllte Stimmzettel am Montag persönlich zur Wahlbehörde zu tragen?
Die Lösung muss also anders aussehen. Entweder entscheiden sich Briefwähler so früh, dass ihre Stimmen am Wahltag vorliegen. Oder man macht's wie die Schweden: Dort können Bürger in ausgewählten Lokalen schon Wochen vor dem Wahltag ihre Stimme deponieren. Wer vorschnell war, darf die Entscheidung am Wahltag revidieren - das heißt dann "Reue-Wahl". Zugegeben, ein seltsamer Name. Aber die Idee hat was.

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