Türkei: Kirchen unterstützen vorbehaltlos EU-Beitritt

Patriarch Bartholomaios I. und Spitzenvertreter der Kirchen positionieren sich pro-EU und fordern mehr Rechte für ihre Kirchen

Istanbul, 13.10.10 (KAP) Alle einheimischen christlichen Kirchen unterstützen einen EU-Beitritt der Türkei. Das wurde auf einer internationalen Tagung der Stiftung "Pro Oriente" in Istanbul deutlich. Sowohl der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., wie auch der armenische Erzbischof Aram Atesyan und der syrisch-orthodoxe Metropolit Yusuf Cetin von Istanbul sprachen sich eindeutig für einen Beitritt aus. Eine bessere Etablierung der Menschenrechte und im besonderen auch der Religionsfreiheit würde nicht nur den Minderheiten im Land sondern allen Bürgern zugute kommen, sagte Patriarch Bartholomaios I. Es brauche eine neue Definition der Beziehungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften auf der Basis der Religionsfreiheit.

Erzbischof Aram Atesyan und Metropolit Cetin zeigten sich unglücklich darüber, als Minderheit in der Türkei bezeichnet zu werden. Die armenischen wie auch die syrischen Christen würden seit jeher in der Türkei leben, viel länger als die Muslime. Er wolle sich daher auch nicht für Minderheitenrechte aussprechen, so Atesyan, sondern schlicht für die Gleichheit aller türkischen Bürger. Und Metropolit Cetin fügte hinzu: "Wir haben eine 5.500-jährige Geschichte hier. Unsere Kirche ist auf dem Boden der Türkei gegründet worden."

Auch der syrisch-orthodoxe Metropolit Cetin forderte mehr Rechte für seine Kirche. So gebe es beispielsweise in Istanbul für die Gläubigen nur eine Kirche, die im Stadtteil Tarlabasi in Beyoglu liegt. Aus diesem Grund nutze die Gemeinde Kirchen anderer Konfessionen, wie die katholische Kirche Saint Etienne im europäischen Teil der Metropole im Stadtteil Yesilköy. Man wolle eine aber eine zweite eigene Kirche bauen, das würden die Behörden aber nicht zulassen. Cetin: "Muslime haben in Europa das Recht zum Bau von Moscheen. Wir jedoch können in unserem Land keine Kirchen bauen."

Der türkische Staat erkennt nur die griechisch-orthodoxe Kirche, die Armenier und das Judentum als religiöse Minderheiten an, denen er -allerdings auch nur beschränkt - Rechte wie eigene Schulen einräumt. Die syrisch-orthodoxe Kirche wie auch die katholische und andere Kirchen werden aufgrund einer umstrittenen Auslegung des Friedensvertrags von Lausanne von 1923 nicht als Institutionen anerkannt. Derzeit leben in der Türkei noch 13.000 syrisch-orthodoxe Christen. Davon 10.000 in Istanbul und 3.000 im Südosten des Landes, im Tur Abdin.

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