Stopp der Temelin-Erweiterung: Anti-Atom-Widerstand, Stromüberschuss und Preis als Haupthürden

Auch Ausbau der AKW Dukovany und Bohunice liegt am Eis

Linz (OTS) - Wie bereits gestern berichtet, ist die Erweiterung
des AKW Temelin um zwei neue Blöcke vorerst gescheitert. Als die wichtigsten Hürden haben sich der wachsende grenzüberschreitende Anti-Atom-Widerstand, enorme Überschüsse in der Stromproduktion sowie der Preis des Projektes erwiesen. Im Rahmen der Anti-Atom-Offensive des Landes Oberösterreich stellt das AKW Temelin seit Jahren den wichtigsten Schwerpunkt dar. Die grenzüberschreitende Kooperation von oberösterreichischen und tschechischen NGO's gilt europaweit als richtungsweisend. Aufgrund des wachsenden Widerstandes musste die Suche nach einem Endlager in Tschechien gestoppt werden. Großer Bürgerwiderstand ist auch gegen die für die Erweiterung des AKW Temelin unbedingt erforderliche Verstärkung und Ausbau von Hochspannungsleitungen zu verzeichnen. Grenzüberschreitend wurden Beschwerden gegen die rechtswidrige Umweltverträglichkeitsprüfung zur Erweiterung des AKW Temelin in Brüssel eingebracht. In der Folge wurde das tschechische UVP-Gesetz vom Europäischen Gerichtshof als rechtswidrig eingestuft. Im Rahmen der in Oberösterreich initiierten Protestaktion haben 7.000 engagierte Bürger bei der EU-Kommission Beschwerden gegen die Verletzung des EU-Rechts eingebracht und gegen die Untätigkeit der Bundesregierung protestiert. "Diese Aktion hat sowohl in Prag und Wien als auch in Brüssel die Alarmglocken schrillen lassen", erklärt Radko Pavlovec, Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich. "Der Atomlobby ist nun klar, dass die rechtswidrige Umweltverträglichkeitsprüfung keine Rechtssicherheit bringt, sondern jahrelange Verzögerungen verursachen wird".

Zur Entscheidung gegen eine voreilige Erweiterung des AKW Temelin haben auch energiepolitische und ökonomische Aspekte beigetragen.

Die Begründungen der angeblichen Notwendigkeit der Errichtung weiterer Reaktorblöcke waren von haarsträubender Propaganda statt seriöser Prognosen geprägt. Diese Schlüsselfrage wurde von Radko Pavlovec und seinem Team in Tschechien auch wiederholt thematisiert und durch mehrere Studien untermauert. Die Regierung Topolanek richtete eine Kommission ein, welche mögliche Szenarien für die Stromversorgung Tschechien ausarbeiten sollte. Da unter den Szenarien auch solche ohne Ausbau der Atomkraft vorkamen und als möglich eingestuft wurden, setzte Topolanek ein aus Atomlobbyisten zusammengesetztes Team zur Zensur des Berichtes ein. Anschließend präsentierte Topolanek ausschließlich das Atom-Ausbauszenario als Ergebnis der Kommissionstätigkeit. Die neue Koalitionsregierung hat eine Überprüfung der Szenarien veranlasst. Ihre Experten gelangten zu ähnlichen Schlussfolgerung wie die Atomkritiker: Die Stromverbrauchsprognosen sind unrealistisch hoch angesetzt und die für Wirtschaftlichkeitsstudien Exporterlöse entsprechen nicht den Markterwartungen. "Ich freue mich über diese Bestätigung unserer Ergebnisse", erklärt Radko Pavlovec. "Durch eine offene Diskussion und Auseinandersetzung mit kritischen Experten könnte im früheren Entscheidungsstadium hätten große finanzielle Verluste vermieden werden können".

Der Stopp der Temelin-Erweiterung zieht auch das vorläufige Aus für neue Reaktoren an den Standorten Dukovany und Bohunice nach sich. Die Firma CEZ sprach bei der Ausschreibung von der Option auf 3 weitere Blöcke an diesen Standorten zusätzlich zu den zwei Blöcken in Temelin. Das Gesamtvolumen des Auftrags wurde mit 20 Milliarden Euro geschätzt. Auch in diesem Bereich mussten die Schätzungen allerdings korrigiert werden. Statt den anvisierten 4 Milliarden Euro pro Reaktor wird bereits von der Verdoppelung der Investitionskosten gesprochen.

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Radko Pavlovec, Anti-Atom-Beauftragter des Landes Oberösterreich
Tel.: 0043(0)664 / 421 74 91, tem.post@ooe.gv.at http://www.temelin.com, http://www.mochovce.com

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