WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Funkstörung in Europas IKT-Industrie - von Thomas Jäkle

Die USA und Asien haben die Europäer überholt

Wien (OTS) - Das Informations- und Kommunikationszeitalter der Version 2.0 ist mit dem Jahr 2010 endgültig zu Ende. Eine Dekade nach der Dotcom-Blase entwächst die IKT-Industrie dem Teenie-Alter in die Adoleszenz. Und Europa verliert den Anschluss. Einst stolze Telekom-und Internetausrüster wie Nokia, Ericsson, Alcatel oder Siemens schwächeln, krempeln ihre Strategie um oder haben sich aus dem Netzgeschäft gar teilweise oder ganz verabschiedet. Fast kampflos geben sie den US-amerikanischen Konzernen w.o.

US-Start-ups wie Facebook, vor Kurzem war auch Google noch ein solches, zeigen auf, wo der Weg in der IKT-Hightech-Welt hinführt. Renommierte Konzerne wie Apple, Research in Motion (RIM) und Microsoft sind am besten Weg, die Technologieführerschaft in der IKT-Industrie an sich zu reißen.

Und das passiert nicht nur mit Hard- und Software, mit hoher Ingenieurskunst und Erfindungsreichtum, sondern mit einem Gesamtkunstwerk. Vor- und nachgelagerte, zum Teil auch alte Strukturen werden neu aufgemascherlt, unter einem Dach vereint und für den Markt so vorbereitet, dass der Nutzer sie in Massenservices einfach nutzen kann. IT-Flagschiffe wie IBM, Hewlett-Packard und Cisco sorgen dafür, dass im Hintergrund alles systemisch zusammengefügt wird und Rechenleistungen in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Im Mobilfunk bisher um Jahre voraus, haben die USA und Asien die Europäer nun überholt.

Das heutige Comeback Microsofts - nach dem fünften, sechsten oder siebenten Versuch, in der Telekomindustrie Tritt zu fassen - zeigt nur allzu gut, wo der Technologietrip hingeht. Und es soll niemand sagen, dass es nicht abzusehen war. Microsoft-Gründer Bill Gates Versprechen aus dem Jahr 2003 in Zürich, konsumentenfreundliche und für Geschäftskunden affine Software sowie Content für hochleistungsfähige Smartphones auf den Markt zu bringen, hat nun die Vollendung gefunden. Gemeinsam mit Apple werden die Spielregeln der IKT-Industrie neu geschrieben.

Die erste Bilanz der Lissabon-Ziele, die vom Europäischen Rat im März 2000 fixiert wurden, fällt daher auch ernüchternd aus. Bis 2010 sollte die EU mit Innovation zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt aufsteigen. Wenn Europa dran bleiben will, heißt es nun, Funkkontakt zu den USA zu suchen, die Bildung zu forcieren und neue Netzwerke zu knüpfen, um neue Kreativität aufzustellen. Und um nicht, wie es Erste Bank-Chef Andreas Treichl kürzlich meinte, nur noch in Lederhosen für Chinesen und Inder zu jodeln.

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